Ihre Stellungnahmen sollen die wirtschaftspolitische Debatte der Republik mit Argumenten versorgen. Daher muß ihre Arbeit natürlich theoretisch fundiert sein, nicht jedes Gutachten aber muß neue theoretische Wege beschreiten.

Glücklicherweise hat der Wissenschaftsrat die methodischen Fehler erkannt - im letzten Augenblick und auch nur nach heftigem Rumoren hinter den Kulissen. Nachdem unter anderem das Wirtschaftsministerium als wichtigster Finanzier der Institute protestierte, trat der Rat Anfang der Woche kurzerhand den Rückzug an. Er vertagte die Veröffentlichung der umstrittenen Berichte auf den Herbst. Bis dahin soll die neue Kommission grundsätzlich über Bewertungskriterien nachdenken. Eine sinnvolle Entscheidung, auch wenn danach die Evaluierungsprozedur strenggenommen aufs neue beginnen müßte.

Ein fahler Nachgeschmack jedoch bleibt. Spätestens seit der Beurteilung des HWWA vor einem guten Jahr war allen Beteiligten die Fragwürdigkeit des Unterfangens bekannt. Daß dennoch unverdrossen weitergeprüft wurde, ist bedauerlich. Denn auf diese Weise wurde nicht nur das Ansehen einiger Institute beschädigt, auch das wichtige Instrument der Evaluierung geriet ins Zwielicht. Der Wissenschaftsrat hat sich kein gutes Zeugnis ausgestellt.