Gewisse Termitensoldaten verspritzen aus einer am Kopf befindlichen Düse Klebstoff, um ihre Feinde zu leimen. Genauso funktionieren Buchbindeautomaten - und neuartige Waffen, mit denen die Militärs den Gegner künftig einfach festkleben wollen. Die Natur macht uns allerhand vor: Mit Klebstoff bauen sich Bienen und Schwalben ihre Wohnstatt, verankern sich Seepocken und Muscheln auf Felsen, leimen Spinnen und Chamäleons ihre Nahrung. Und der Mensch macht es nach. Unsere Warenwelt, von der Pampers bis zum Sarg - geklebt, überall. Von der Natur lernen heißt kleben lernen. Ein Fall für die Bionik, jene Wissenschaft, die Flora und Fauna studiert, um sich Anregungen für die Technik zu holen.

Genaugenommen sind sogar wir Menschen letztlich nur geklebt. Die gleichen Kräfte, die Briefmarken auf dem Kuvert fixieren, halten die Zellen unseres Körpers zusammen. Ohne Kleben wäre die Evolution über Einzeller nie hinausgekommen. Ja, ohne Haftkräfte hätte sich aus dem kosmischen Staub keine Sonne bilden können, von der Erde ganz zu schweigen. Das Universum bestünde bis heute aus einer Ursuppe von einzelnen Atomen und Molekülen.

Was würde geschehen, wenn sämtliche technischen Klebstoffe plötzlich nicht mehr hielten? Tapeten rollten sich von den Wänden, Photos purzelten aus den Alben, Möbel brächen zusammen, Verpackungen fielen auseinander und Bücher würden zu Loseblattsammlungen. Auch Ihr Papier, das zusammengeklebte Zellulose ist, zerrieselte zwischen Ihren Fingern zu Staub. Die Wände näßten, denn Wasserleitungen aus PVC sind geklebt. Bauwerke drohten einzustürzen - das Dach des Münchner Olympiastadions etwa ist an 80 000 Puffern aufgehängt, die aus Gummi und Metall zusammengeklebt sind. Flugzeuge zerlegten sich in ihre Einzelteile, desgleichen Autos, deren moderne Modelle mehrere Kilogramm Klebstoff enthalten. Fernseher und Computer gäben ihren Geist auf, da elektronische Bauteile verklebt sind.

Operationswunden klafften wieder auf - statt zu Klammer oder Nadel und Faden greifen Ärzte häufig zu Leim.

Kleben verhindert Korrosion, dichtet die Fügestellen ab und sorgt für eine gleichmäßige Kraftübertragung statt für eine punktweise, wie sie die Folge von Nieten, Schrauben oder Punktschweißen ist.

Um Gewicht einzusparen, kleben Flugzeugbauer schon seit rund fünfzig Jahren. Seitdem erobert diese Technik immer mehr Industriezweige.

Inzwischen haben Ingenieure Myriaden von Klebstoffen für alle denkbaren Materialien ersonnen - und sich dabei nur in Ausnahmefällen von natürlichen Vorbildern leiten lassen.