Vor zwei Monaten hat der Online-Dienst AOL in den USA sein Gebührensystem radikal umgestellt. Für eine monatliche Pauschale von knapp zwanzig Dollar dürfen die Mitglieder nun alle Angebote so lange nutzen, wie sie wollen.

Seither wird das Unternehmen vom eigenen Erfolg beinahe erdrückt. Denn der unbegrenzte Zugriff wird selbstverständlich unbegrenzt genutzt. Wer durchgekommen ist, hält zuweilen tagelang die Verbindung offen, und die Anschlüsse sind dauernd belegt.

Der Fall liefert den Klagen der US-Telephongesellschaften neues Futter. Sie machen die exzessive Datenkommunikation dafür verantwortlich, daß auch bei normalen Ortsgesprächen immer öfter Engpässe auftreten. Die Debatte um die Dauertelephonierer der Online-Fraktion ist nun vor einem Untersuchungsausschuß der US-Telekombehörde FCC (Federal Communication Commission) angelangt, der seit vergangenem Donnerstag tagt.

Die Unordnung in den globalen Computernetzen ist den Telephonkonzernen ohnehin ein Graus. So verweisen sie gern auf ihre praktischen Nutzerverzeichnisse, die guten alten Telephonbücher: Wenn es die nicht gäbe, müßten die Telephonierer stundenlang per Telephon nach Nummern suchen, und alles wäre blockiert.

Am liebsten würde die Telephonfraktion das Internet, damit es übersichtlicher wird, nach dem Vorbild solcher Verzeichnisse umgestalten. Die Gesellschaften AT&T, Telekom in Deutschland, NTT in Japan sowie vierzehn große Internet-Anbieter setzen dabei auf NDS. Das Kürzel steht für die Netware Directory Services des Softwareherstellers Novell, der dieses System für seine eigentliche Domäne, die lokalen Computernetze in Unternehmen, schon einige Zeit anbietet.

Der Verzeichnisdienst NDS ist wesentlich leistungsfähiger als ein simples Telephonbuch. Ein NDS-Verzeichnis merkt sich die Netzadressen aller Teilnehmer, aller Computer und aller weiteren angekoppelten Geräte, etwa Drucker. Es ordnet sie Arbeitsgruppen und Firmen zu und überwacht gegebenenfalls, wer auf welche Daten oder Geräte zugreifen darf. Nutzer müssen nicht mehr überlegen, wie sie im Netz den gewünschten Drucker finden, sondern wählen ihn einfach aus einer Liste an. Die Datenbank mit dem aktuellen Verzeichnis ist in Kopie vielfach im Netz vorhanden.