Über die erste Liebe Heinrich Heines gehen die Ansichten weit auseinander; einig sind sich alle Biographen mit dem Dichter, daß sie ganz unglücklich war. Heinrich Heine war ein mittelloser Lehrling, zu Ausbildungszwecken in Hamburg, wohnhaft im Hause seines Onkels und Gönners. Dessen Tochter Amalie, ein vermutlich hübsches, gewiß aber selbstsicheres Mädchen, ist dem dichtenden Cousin gar nicht nahe gekommen; überhaupt verkehrten die beiden nur kurze Zeit miteinander, seine Werbung nahm sie nicht ernst.

Eine Heirat mit Amalie hätte den armen Vetter mit einem Mal herausgehoben aus finanzieller Abhängigkeit und berechtigten Zukunftsängsten, hätte den gesellschaftlich und ökonomisch schwankenden Boden, auf dem dieser Sohn eines glücklosen Düsseldorfer Tuchhändlers und einer ehrgeizigen Arzttochter seinen Lebenslauf beginnen mußte, mit einem Schritt erhoben und befestigt. So sah es allerdings auch der Schwiegervater in spe, Salomon Heine, der wohl einiges daran setzte, die beiden nach Möglichkeit zu trennen - schließlich sollte für seine Töchter eine gute Partie gemacht werden. Das soziale Elend dieser unglücklichen Liebe taucht in den immer neuen Bildern des buchstäblich räumlich Ausgeschlossenen auf, der im Schatten seine hell strahlende, von gesellschaftlichem Glanz erleuchtete Liebe anbetet:

Sie haben heut abend Gesellschaft,

Und das Haus ist lichterfüllt.

Dort oben am hellen Fenster

Bewegt sich ein Schattenbild.