Wie Fatima Begum den Hunger besiegte - eine Erfolgsgeschichte aus Bangladesh

Ein zerbeultes Wellblechdach auf ein paar Balken, Wände aus dickem Bambus, ein Fundament aus Lehm. In der dunklen Türöffnung eine schmächtige Gestalt, das schmale, dunkle Gesicht vom Ende eines gelben Saris verdeckt. Sie hebt die Hand zum Gruß und sagt schüchtern: "Ich bin Fatima Begum", das Begum ist kaum zu verstehen. Dann zögert sie, erinnert sich an ihr Versprechen und fragt: "Möchten Sie mein Haus sehen?" Fatima will zeigen, daß arme Frauen mit Geld umgehen können.

In der Hütte ist es düster, Neonröhren sind nur zur Zierde mit einer Kordel an die Dachleisten gebunden, einen Stromanschluß gibt es nicht. Das breite Bett steht im ersten Raum; auf einer Vitrine thront eine neue weiße Thermoskanne, made in China. Die koste 500 Taka, umgerechnet 15 Mark, sagt Fatima und lacht stolz. Dann zeigt sie ihren schönsten Sari aus blauer Kunstfaser; über einem Gestell hängen zwölf weitere, aus Baumwolle und Seide. Ihre Tochter, eine zierliche Achtzehnjährige, kommt dazu, in der Hand verborgen ein Paar goldener Ohrgehänge. Armut? "Früher", sagt Fatima, "früher war ich arm, früher hatten wir Hunger." Die Erinnerung ist noch wach. Ihr Blick, der eben noch versteckten Stolz spiegelte, wird düster. Sie beugt den Rücken, zieht das Tuch weiter über das Gesicht und sagt stockend: "Ich hatte nur einen Sari. Wenn der gewaschen wurde, mußte ich im Haus bleiben."

Das Elend hatte für die damals Elfjährige begonnen, als sie mit ihrem Ehemann Rafik verheiratet wurde. Das Ehepaar wohnte in der Hütte seiner Mutter, unter einem Bastdach, durch das während des Monsuns der Regen tropfte. Ihr Mann bestellte einen viel zu kleinen Acker und verkaufte Zigaretten. Der Verdienst: zuwenig zum Leben und zuviel zum Sterben. Fatima bekam Kinder, eine Tochter und vier Söhne. Beklagte sie sich, schlug er sie. "Ich bin jetzt zu groß für ihn, ich habe Geld", sagt sie plötzlich. Der Sari rutscht ihr vom Kopf, der goldene Nasenstecker und ihre feinziselierten, goldenen Ohrringe blinken. "Ich verdiene mehr als Rafik." Und als würde sie dies an etwas erinnern, ruft sie zu ihrem Mann, der im Hof im Schatten eines Mahagonibaumes wartet, er müsse endlich zur Arbeit.

Vor zehn Jahren hätte niemand Fatima und ihrem Mann Arbeit, Einkommen oder bescheidenen Wohlstand prophezeit. Niemand hätte ihr Geld geliehen. Doch dann erzählte eine Nachbarin der hungrigen Frau von einer neue Bank, einer Bank, die auch an Habenichtse Geld verlieh. Leicht seien die Kredite nicht zu bekommmen, doch nicht Besitz, sondern Arbeitskraft und Energie seien Voraussetzung.