Die next5minutes , eine Konferenz von Netzkritikern und Netzgläubigen, die in unregelmäßigen Abständen in Amsterdam abgehalten wird, hat schon genügend bizarre Vorträge erlebt. Trotzdem zogen im vergangenen Januar die meisten Teilnehmer eines informellen Treffens am Rande der Konferenz erst einmal die Stirn in Falten, als Paul Garrin , ein New Yorker Videokünstler, sein Projekt vortrug.

Es ginge darum, so erklärte Garrin, das Internet von einer schleichenden Usurpation zu befreien und wieder für die Allgemeinheit zurückzugewinnen. Denn einer der empfindlichsten Teile des Netzes befinde sich in den Fängen eines Monopols, das in enger Zusammenarbeit mit US-Geheimdiensten seine Machenschaften treibe und nebenbei aus Gemeineigentum kolossalen Profit schlage.

Manchen kam Garrin gar zu egoman und geltungssüchtig vor; andere ordneten die Geschichte schnell ins Fach Verschwörungstheorie ein. Es wurde wieder still um Garrins Projekt. Mit um so größerer Wucht traf es nun die Szene, als es im November wiederauftauchte - unter dem Titel name.space und mit einer eigenen Propagandaseite im Netz .

Name.space - der Namensraum. So heißt im Internet das allgemeine System der Rechnertaufe, das ein vernünftiges Miteinander erst möglich macht. Zwar lassen sich alle Computer im Netz auch unter ihrer weltweit eindeutigen, vierteiligen Nummer ansprechen, zum Beispiel 194.231.21.11. Aber viel bequemer findet man sie unter den Namen, die diesen ihren Nummern zugeordnet sind:www.zeit.de heißt so ein Rechner nun etwa, und das kann sich auch der Mensch merken.

So hatten es die Netzteilnehmer von Anfang an leichter als die Telephonkunden, denen bis heute lange Zahlenfolgen zugemutet werden. Im Internet muß sich statt dessen die Technik anstrengen - was allerdings einigen Aufwand erfordert. Die Zeiten sind lang vorbei, da ein Rechner einfach "zeit" heißen durfte; bereits Anfang der achtziger Jahre war klar, daß ein so schlichtes System angesichts von immer mehr Teilnehmern im Netz keine Zukunft haben konnte.

Man erfand daher ein System von hierarchischen Adressen, das deren Verwaltung auf mehrere Schultern verteilte. Nun gibt es Domains, also Domänen, zum Beispiel .de für Deutschland, darunter die Unterdomäne .zeit.de, der wiederum einzelne Rechner angehören, zum Beispiel einer namens www - voila: www.zeit.de.