Der Herr aus Ischgl redete Klartext. "Die Ökomasche ist vorbei", stellte er fest und ließ wissen, daß die Zustimmung der Bevölkerung völlig unwichtig sei, wenn es gelte, eine für den Fremdenverkehr nützliche Idee in die Tat umzusetzen. So also könnte nach Meinung von Alfons Parth (Tourismusverband Ischgl/Paznaun) die Befreiung der Touristiker von all den Übeln aussehen, die ihnen allzulange das Leben vergällt hatten. Schluß mit dem Terror der Umweltschützer und dem Irrglauben, Gastgeber seien mehr als nur Statisten im Fremdenverkehrsszenarium.

Wenn, wie in Österreich seit nunmehr drei Jahren, die Zahl der Wintergäste und der Übernachtungen drastisch zurückgeht und sich damit die ohnehin deprimierende Fremdenverkehrsbilanz weiter verschlechtert, treten die Erfolgreichen des gebeutelten Gewerbes gern als stramme Heilsbringer auf.

Zweifellos haben sie in Ischgl ja auch vorgemacht, wie man den Schnee zum Beben und Kassen zum Klirren bringt. Erst gab ihnen Elton John - live in concert auf 2300 Meter Höhe - die Ehre, dann tobte Rocklady Tina Turner als schwarze Hexe im weißen Schnee. Mit Hilfe zweier Superstars und anderer Spektakel gelang es, genau das Publikum anzulocken, von dem sich auch andere Skigebiete wieder belebende Vibrations für das sieche Geschäft erhoffen.

Es war, als zerschlüge Alfons Parth, der Fun-Prophet im Schneedesaster, mit kühnem Hieb je nen gordischen Knoten, um dessen mühsame Entdröselung sich während einer Tagung auf der Gerlitzen Alpe bei Villach in Kärnten ansonsten eher moderate Praktiker und andere Sachkundige abmühten. Eingeladen hatte die in Bergisch Gladbach beheimatete Thomas Morus Akademie, die, wie keine andere deutsche Einrichtung, dem Tourismus als einem bedeutenden gesellschaftlichen Phänomen seit Jahren Beachtung schenkt. Wie könnte der Wintertourismus der Zukunft aussehen, lautete die Frage: Führt er zurück zur Natur oder eher hin zu Fun, Action und Mega-Events?

Winterurlaub in Österreich - das war einmal eine nahezu beispiellose Erfolgsgeschichte, die mehr als drei Jahrzehnte währte und im Winter 1992/93 jäh zum Stillstand kam. Seither geht es stetig bergab. Doch weder die Litaneien immer neuer Statistiken und Zahlenkompendien noch die Situationsanalysen mit zunehmend selbstkritischen Tönen haben sich bisher als probate Mittel erwiesen, die Schußfahrt zu bremsen. Peter Haimayer (Arbeitskreis Freizeit und Tourismus der Universität Innsbruck) stellte eine klare Diagnose: "Einem Drittel der Betriebe geht es gut, ein Drittel vegetiert, und ein Drittel ist im Grunde schon tot."

Doch gerade die Scheintoten unter den Darbenden können es sich nicht leisten, den unrentablen Betrieb einfach aufzugeben. Seinerzeit angesteckt von einem überzogenen Optimismus, der die hemmungslose Expansion der Boomjahre begleitete, haben sich diese Unternehmen finanziell derart übernommen, daß sie vielfach nur noch für die Tilgung der Bankzinsen arbeiten. Das Tourismusgewerbe ist eine der am stärksten verschuldeten Branchen Österreichs.