Es war die Woche der Zukunft, und es war die Woche der Wahrheit. Zwar liegen noch nicht alle Wahrheiten auf dem Tisch, doch die Grundrisse sind klarer erkennbar: Wer im Ruhestand seinen Lebensstandard nicht zu sehr absinken lassen will, muß künftig deutlich mehr Geld für seine Alterssicherung aufwenden. Wer dies nicht kann oder nicht will, muß sich auf einen bescheideneren Lebensabend einstellen.

Die Regierungsparteien scheuen die Revolution, aber immerhin, sie demonstrieren wenigstens den Willen zur Veränderung - teils aus Einsicht, teils aus purer Not. Selbst heilige Kühe sind nicht mehr sicher, auch nicht das hochsensible Thema Alterssicherung. Die Mitglieder der gesetzlichen Rentenversicherung müssen sich ebenso umstellen wie die Inhaber von Lebensversicherungen. Der politische Verteilungskampf hat begonnen. Alles werden die Besitzstandswahrer nicht mehr retten.

Grundsätzlich soll es bei der Rente beim gegenwärtigen System bleiben, doch anders als die Steuerpolitiker, die bei ihrer Reform Nehmen mit Geben verbinden, kann Arbeitsminister Norbert Blüm nur bittere Pillen austeilen. Bei allen wird gespart, keiner erhält zusätzliche Wohltaten.

So soll bis zum Jahr 2030 das Rentenniveau spürbar sinken. Zwar werden die gegenwärtigen Renten nicht gekürzt, sondern steigen weiter, allerdings weniger schnell als nach geltendem Recht. Und für einen Durchschnittsverdiener, der im Jahr 2030 in Rente geht, bedeutet das, daß er nach einem vollen Arbeitsleben nicht mehr wie die heutigen Ruheständler mit einer Rente startet, die 70 Prozent des durchschnittlichen Einkommens entspricht. Er bekommt dann lediglich noch 64 Prozent.

Durch das Senken des Rentenniveaus wird, so jedenfalls rechnen die Experten vor, der Beitragssatz 2030 bei 22,9 Prozent liegen statt - wie ohne Reform - bei 25,9. Der Nachteil: Vor allem Versicherte mit geringen Einkommen geraten in die Nähe des Sozialhilfeniveaus oder gar darunter.

Der größte Sparbeitrag aber wird zukünftigen Beziehern von Erwerbsund Berufsunfähigkeitsrenten abverlangt. Nur wer weniger als drei Stunden täglich erwerbstätig sein kann, hätte nach dem Entwurf der Blüm-Kommission noch Anspruch auf die volle Erwerbsunfähigkeitsrente. Wer hingegen noch zwischen drei und sechs Stunden einsetzbar ist, soll lediglich die halbe Rente bekommen. Diese Kürzungen ersparen den Rentenkassen nach den Expertenrechnungen rund siebzehn Milliarden Mark jährlich, aber sie werden auch, so ahnt Kommissionsmitglied Franz Ruland, Direktor des Verbandes der Rentenversicherungsträger (VDR), möglicherweise "politisch am umstrittensten sein". Denn sie seien "für die Betroffenen sehr hart".