Unklar ist, in welchem Ausmaß ein Kind-Universum genetisch von seiner Mutter geprägt wäre. Bisher wissen unsere Physiker nicht, warum die verschiedenen in der Natur und den Materieteilchen wirkenden Kräfte gerade die Eigenschaften haben, die sie aufweisen. Einerseits könnten sie Teil der Naturgesetze sein, die ein für allemal in jedem Universum festgelegt sind. Andererseits ist es möglich, daß diese oder jene Eigenschaften auf Evolutionszufälle zurückgehen.

Der Physiker Lee Smolin hat vorgeschlagen, daß sogar bei Universen eine Art Darwinscher Evolution am Werk sein könnte, welche das Entstehen von Leben und Bewußtsein mittelbar unterstützt. Noch interessanter ist die Möglichkeit, daß Universen durch die Einwirkung einer Intelligenz in einem Mutter-Universum geschaffen werden und bewußt mit den Eigenschaften ausgestattet werden, die erforderlich sind, damit Leben und Bewußtsein entstehen können.

Keine dieser Theorien ist mehr als wilde Spekulation, doch steht der Wissenschaftszweig der Kosmologie noch ziemlich am Anfang. Zumindest liefern die hier vorgetragenen einfallsreichen Spekulationen eine Gegenposition zu den oft entwickelten düsteren Prognosen. Sie weisen auf die Möglichkeit hin, daß auch dann, wenn sich unsere Nachkommen eines Tages den letzten drei Minuten stellen müssen, bewußte Wesen irgendwelcher Art für immer irgendwo existieren könnten.

Paul Davies ist im angelsächsischen Sprachraum einer der bekanntesten Wissenschaftsautoren. Der Professor für theoretische Physik und Wissenschaftsphilosophie an der Universität von Adelaide in Australien beschäftigt sich in seinen Büchern, wie etwa "Gott und die moderne Physik" oder "Die Unsterblichkeit der Zeit", auf verständliche und sachkundige Art vorwiegend mit Grenzbereichen des naturwissenschaftlichen Wissens und den damit zusammenhängenden philosophischen Fragen.

Nun liegt ein neues Buch von ihm vor, "Die letzten drei Minuten" , aus dem wir diesen Text entnommen haben. Das Werk, das Anfang Februar in der Reihe "Science-Masters" bei Bertelsmann erscheint, ist als ironische Antwort auf Steven Weinbergs berühmten Bestseller "Die ersten drei Minuten" gedacht. Nobelpreisträger Weinberg beschrieb 1977 detailliert die Abläufe wenige Augenblicke nach dem Urknall. Nun lehnt Davies sich an das berühmte Vorbild an und stellt die vielen denkbaren Theorien über das definitive Ende des Kosmos vor. Wird das Universum mit einem Knall oder einem Klagelaut enden, wird es überhaupt enden? Und wird die Menschheit (oder unsere Nachkommen, die vielleicht eher Biorobotern ähneln) weiterleben?

Der Leser, der sich auf solche Fragen einläßt, wird von Davies auf eine ebenso schwindelerregende wie vergnügliche Reise geschickt. Das Buch sei "nicht ganz und gar apokalyptisch", sagt der Physikprofessor im Vorwort. Aber möglicherweise sieht man die eigene irdische Existenz nach der Lektüre mit etwas anderen Augen.