Im Augenblick profitiert die am 21. Mai 1945 erstmals erschienene Berliner Zeitung, die im Dezember 1990 von dem britischen Verleger Robert Maxwell und Gruner + Jahr gekauft wurde, noch davon, daß auch die Konkurrenz an der Aufgabe gescheitert ist, die anhaltende publizistische Teilung der Stadt zu überwinden. Zwar dominiert die Zeitung mit einer Auflage von 216 160 (IVW, 4. Quartal 1996) unangefochten den Ostteil. Doch den größeren Westmarkt teilt sich die Konkurrenz: Die Berliner Morgenpost verkauft an den Erscheinungstagen der Berliner Zeitung, montags bis sonnabends, 172 150 Exemplare; die verkaufte Auflage des am Finanztropf des Handelsblatt-Verlegers Dieter von Holtzbrinck hängenden Tagesspiegels liegt bei 130 840. Zum Vergleich: Nur 35 000 Westberliner, davon 16 000 Abonnenten, greifen zu dem im Ostteil produzierten Blatt.

Im Haifischbecken des Berliner Pressemarktes haben die Strategen der drei Verlagsgiganten vor allem ein Ziel: die Eroberung des Gesamtberliner Marktes. Denn nur wer sein Blatt in Ost wie West verkauft, kann entsprechende Preise für Inserate nehmen. Wer diese gesamtberlinische cash cow der Agenturen und werbetreibenden Wirtschaft zuerst melken darf, ist nicht in Sicht.

Aufsehen erregten bisher nur die Gescheiterten. Der glücklose Morgenpost-Chefredakteur Bruno Waltert wurde durch Peter Philipps (Die Welt) ersetzt, Wolfgang Kryszohn, vorher BZ, ist nun Herausgeber von Morgenpost und BZ, während Manfred von Thien die Chefredaktion der BZ übernommen hat. Und weiterhin munkelt die Branche über eine Zusammenlegung der chronisch defizitären Welt mit der volkstümlichen Morgenpost, die beide im Springerhochhaus residieren. Der von G + J herausgegebene Berliner Kurier, der als Kaufzeitung die Berliner Zeitung "nach unten absichern soll", hat seinen Chefredakteur Wieland Sandmann im Oktober entlassen.

Beim Tagesspiegel rollen zwar in der Chefredaktion keine Köpfe, doch sorgen inhaltliche Stagnation und Sparmaßnahmen für Unruhe. Und immer häufiger fragen Tagesspiegel-Redakteure, wie lange die Chefredaktion es wohl dulden will, daß die Berliner Zeitung frontal auf die traditionell bildungsbürgerliche Leserschaft des Tagesspiegels losgeht.

Auf der Suche nach Gleichgesinnten richtet Maier den Blick weiterhin nach Frankfurt am Main. Dort verkannten Schönschreibern will er weiterhin eine Heimstatt bieten. Geholfen hat ihm dabei die Abneigung einiger FAZ-Feuilletonisten bis hinauf zu Literaturchef Gustav Seibt gegen den selbstgewissen Herausgeber Frank Schirrmacher. Nun steht auf Maiers Einkaufszettel der Name Konrad Adam ganz weit oben. Doch der prominente FAZ-Redakteur führte bislang nur "Gespräche" mit Maier.

Neue Leute gibt's auch in der Chefredaktion selbst. Nachdem sich die Berliner Zeitung von Georgia Tornow getrennt hatte, trat Franz Sommerfeld, 47, ihre Nachfolge als stellvertretender Chefredakteur an. Auch wenn Sommerfeld, der seit 1991 bei der Berliner Zeitung ist, heute eher durch staatstragende Kommentare auffällt, war sein journalistisches Credo einstmals ausschließlich links geprägt - etwa als er die marxistischen Roten Blätter redigierte. Kollegen fiel der ehemalige DKP-Mann Sommerfeld damals unter anderem auf, weil er Wetten darauf anbot, daß die Deutsche Kommunistische Partei bei Bundestagswahlen über zehn Prozent kommen werde.

Später leitete Sommerfeld das DKP-Bündnis-Blatt Deutsche Volkszeitung, das nach dem Fall der Mauer zusammen mit dem Sonntag im linken Wochenblatt Freitag aufging. Seit dem 1. Februar kümmert sich Sommerfeld um die politische Linie der Berliner Zeitung.