OSNABRÜCK. - Alex, der Ukrainer, mordete mit Wasser.

Er überschüttete damit einen Häftling auf dem Appellplatz und ließ ihn erfrieren.

Einem anderen Opfer, so sagen Zeugen, habe Alex einen Wasserschlauch in den After eingeführt.

Einen Mann habe er auf dem Bahndamm vor den Augen aller gesteinigt, einem anderen den Schädel eingeschlagen.

Manchmal sei er nachts in den Block gestürmt und habe die entkräfteten Häftlinge aus den Betten geworfen. Und alle, die er nach draußen führte, seien niemals wiedergesehen worden.

Alex wurde nach dem Kriege nicht mehr gesehen. Der damals etwa 25jährige Mann tauchte unter. Seine Greueltaten wären längst vergessen, wenn sich nicht der Geschichtslehrer Volker Issmer den Ereignissen im Arbeitserziehungslager Ohrbeck im Teutoburger Wald südlich von Osnabrück gewidmet hätte. Vor drei Jahren begann er mit der Spurensuche. Bis heute hat er so viele Indizien und Zeugenaussagen zusammengetragen, daß die für NS-Verbrechen zuständigen Beamten des Landeskriminalamtes Hannover sich an die Fersen des Mörders von Ohrbeck heften wollen. Es ist nicht ausgeschlossen, daß Alex irgendwo in der Ukraine oder Weißrußland seinen Lebensabend verbringt.

Alex' Herrschaftsbereich war ein kleines Lager am Fuße der kohle- und erzhaltigen Bergkette zwischen den Gemeinden Hasbergen, Hagen und Georgsmarienhütte, dem Hüggel. In drei Lagern lebten mehrere tausend Gefangene, die zur Arbeit im Berg oder im nahe gelegenen Klöckner-Stahlwerk gezwungen wurden. Wer sich unbotmäßig verhielt, wurde in das im Januar 1944 geschaffene Arbeitserziehungslager gesteckt, wo jener Alex quälte, folterte und mordete. Als Unterkunft diente das hoch aufragende Pumpenhaus über dem Augusta-Schacht.