In die Hochschulpolitik ist wieder Bewegung gekommen. Bis vor kurzem noch herrschte vielerorts ein eher hektisches und orientierungsloses "Gesetzeln und Verordnen" (ZEIT Nr. 39/1996). Doch nun werden Grundzüge einer Neuordnung erkennbar, die wieder Anlaß zur Hoffnung geben. Dies um so mehr, als sich in vielen Bereichen ein breiter partei- und länderübergreifender Konsens abzeichnet, der bislang weitgehend fehlte. In dieser Situation erscheint es hilfreich, einige Wegmarken der Hochschulentwicklung für die kommenden Monate zu zeigen.

1. Verhältnis Staat-Hochschule.

Hochschulen sind keine reinen Ausbildungsbetriebe, die als nachgeordnete Behörden oder staatliche Anstalten behandelt werden müßten. Es sind wissenschaftliche Einrichtungen, und diese müssen in der Lage sein, ihre Aufgaben in weitgehender Selbstverwaltung und Selbstverantwortung wahrzunehmen. Wegen der langjährigen staatlichen Fremdsteuerung ist ihnen jedoch die eigenverantwortliche Handlungsfähigkeit zum großen Teil abhanden gekommen. Der Staat muß daher zu einer neuen Bescheidenheit finden, seine Rolle gegenüber den Hochschulen zurückhaltender definieren und viel von seiner Zuständigkeit an die Hochschulen abgeben. Auch wenn dies vielleicht noch utopisch klingen mag: Hochschulen benötigen nicht nur Finanzautonomie, sie müssen auch selbständige Dienst- und Bauherren werden und die Tarifhoheit über ihre Mitarbeiter erhalten. Ganz abgesehen davon, daß sie das Recht haben sollten, Studiengänge selbst zu errichten, Fachbereiche, Lehrstühle und Institute eigenständig zu gründen und zu schließen.

Im Großbetrieb Hochschule ist eine klare Unterscheidung zwischen akademischen und staatlichen Angelegenheiten nicht mehr praktikabel. Insofern sind auch andere Rechtsformen als die staatliche Anstalt denkbar, wie etwa die Stiftung, der eingetragene Verein oder die gemeinnützige GmbH. Der nach wie vor überzeugendste Ansatz für eine konkrete Gestaltung der Hochschulautonomie im Verhältnis zum Staat ist für mich das in anderen Ländern erprobte Modell eines Aufsichtsrats für jede Hochschule.

Auf einen derartigen Hochschulrat können viele staatliche Kompetenzen übertragen werden. So soll er (und nicht mehr das Ministerium) in Zukunft über die Ernennung von Professoren, die Genehmigung von Prüfungsordnungen oder die strategische Schwerpunktsetzung der Hochschule entscheiden. Zudem sollte er künftig die Hochschulleitung wählen - und nicht mehr ein nach dem schwächsten Glied in der Kette suchender und in seinem Verantwortungsbewußtsein kleiner Großer Senat. Letztlich wären die Entscheidungsträger der Hochschule dem Hochschulrat gegenüber persönlich für ihre Leistungen verantwortlich. Der Hochschulrat setzt sich aus Persönlichkeiten zusammen, die paritätisch aus Wissenschaft, Wirtschaft und Politik kommen.

2. Organisationsstruktur.