Sie möchten Comedystar im Fernsehen werden? Wir haben einen sicheren Tip: Machen Sie doch ein deutsches Spezialitätenrestaurant in Peking auf (Sauerbraten, Eisbein und Co.)! Dort kellnern Sie erst mal jahrelang vor sich hin. Der Tag wird kommen, da sitzt ein sehr wichtiger Fernsehmensch vom Sender ChiSat bei Ihnen und ißt zu Mittag. Sie servieren gewohnt servil und radebrechen freundlich ein bißchen auf chinesisch. Der Gast findet Sie komischen Kauz lustig und verpflichtet Sie tags darauf vom Tresen weg. Ihre Traumrolle: Sie sollen unter dem Titel "Die Weisheiten des Johann Wolfgang von Goethe" chinesische Sprichwörter herunterstottern, Mao-Sprüche rezitieren oder chinesische Volkslieder singen. Unsere Prophezeiung: Die chinesische TV-Gemeinde wird jauchzen vor Begeisterung.

Wang Zhiqin, 43, und Li Guo Fu, 36, haben eine ähnliche Karriere gemacht - die beiden Kellner wurden im Kölner Chinarestaurant "Mandarin" entdeckt. Seit Sommer 96 treten sie in Kellnermontur in Einspielfilmchen der "Harald Schmidt Show" auf, wo sie "Die Weisheiten des Konfuzius'" vortragen.

Das geht so: Der kleine Herr Wang steht neben dem großen Herrn Li. Wang fängt an: "Konfuzius sagt..." Dann blickt er hoch zum bambusstangendünnen Li, und der schickt einen Sinnspruch deutscher Hochkultur hinterher: "Weel daleimale lückt, dem gelaubt manne nicht, auch wenne..." Oder er sagt, als Kellner durchaus branchenkundig: "Dlaußen gibte esse nuel Kännchen!" Beide lächeln schelmisch, und fertig ist der Sketch.

Oft auch singt Herr Li. Darin ist er, höflich formuliert, genial unbegabt - egal, ob er mit dem gebotenen falschen Ernst "das knallotte Gummibotte" vorträgt, vom im Walde stehenden Männlein plärrend jubiliert oder im Namen des Konfuzius' die Zuschauer auffordert, Samba zu tanzen in dieser Nacht. Lis eigenwillige Interpretation des Kinderliedes von den "dlei Chinesen mitte deme Kontalabasse" war hitverdächtig.

Thomas Schmidt, Segment-Producer bei der Produktionsfirma Brainpool, hat Li und Wang beim Verzehr einer Wan-Tan-Suppe kennengelernt, im Restaurant gegenüber des Kölner Kinos Capitol, wo die "Harald Schmidt Show" aufgezeichnet wird. "Die haben mich gefragt: ,Hatte gesmeeckt?' Habe ich gesagt: ,Jaaa, hatte guute gesmeeeckt. Seel leckel.' Die haben sich gar nicht angemacht gefühlt, sondern immer mehr mitgelacht." Jetzt dankt Schmidt höheren Mächten: "Ich glaube, Gott hat zwei sehr lustige Menschen ins Universum geschickt und bei uns landen lassen."

Der Gagschreiber Jens Bujar erklärt seine Akteure für "umwerfend charming". - "Wenn man die hätte casten wollen, wäre man ein Jahr unterwegs gewesen, und wahrscheinlich erfolglos." Und Harald Schmidt sagt mit mutig gemäßigtem Spott, die beiden seien halt "China, wie es singt und lacht". Der selbsternannte Godfather of Late Night Talk erinnert sich besonders schadenfroh an Lis Kurzauftritt als Bademeister-Rezitator, der schimpfte: "Nicht vonne Beckenelante splingenne!" Nie klang Lis falsches R so gequält.