Umweltgifte Schlaflosigkeit hat in Seattle oftmals einen simplen Grund: Kaffee. Die Stadt ist das Epizentrum der sogenannten Kaffee-Revolution, die den Nordwesten Amerikas (sowie den Osten Kanadas) mit Kaffeehäusern eigenen Stils überzog, die nicht gemütlich, sondern cool sind. Und der Kaffee ist schon ziemlich gut. Er enthält Krebsgift.Über 1000 Chemikalien wurden bisher im Kaffee entdeckt nur 26 von ihnen wurden bisher im Tierversuch getestet, und mehr als die Hälfte davon lösten in den Versuchstieren Krebs aus - insgesamt zehn Milligramm pro Tasse.Das sagte Bruce Ames, ein vielfach ausgezeichneter Biomediziner aus Berkeley. Was unsereiner an solchen Karzinogenen pro Tasse Kaffee zu sich nimmt, übersteige die Summe der pro Jahr vom Körper aufgenommenen Pestizide, die sich im Tierversuch als krebserregend erwiesen haben.Ist Kaffee also gefährlich?Die Epidemiologie gibt keinen Hinweis darauf.Der Witz liegt woanders: In Tierversuchen zeigen sich nämlich etwa 59 Prozent aller künstlichen und 57 Prozent aller natürlichen Stoffe als krebserregend - denn um ein Worst-case-Risiko zu bestimmen, werden den Versuchstieren höchstmögliche Dosen verabreicht. Viel lernen kann man aus solchen Versuchen also nicht, es sei denn, das Gift wirkt extrem stark. Stolze 99,99 Prozent aller Pestizide, die wir essen, sind natürliche Bestandteile von Pflanzen, mit denen sie Insekten und andere Schädlinge abwehren, führte Ames aus.Der menschliche Körper ist also Pestizide gewohnt und reagiere auch auf synthetische Pestizide nicht anders als auf natürliche.Das sei nicht weiter verwunderlich: Weil wir zigtausend Krebsgiften ausgesetzt sind, müssen die Abwehr- und Reparaturmechanismen von vornherein unspezifisch sein, können allenfalls auf große Gruppen von Gefährdungen reagieren. Die Zusammensetzung und Zubereitung unserer heutigen Nahrung, mag sie auch aus Naturprodukten wie Kaffee bestehen, ist nur wenige Jahrhunderte alt - für den Organismus Mensch also neu.Wer die steigende Zahl synthetischer Chemikalien für problematisch hält, müßte sich daher noch viel um das kümmern, was seit Jahr und Tag in Töpfen und Tellern entsteht und nicht pico-, sondern kilogrammweise in den Körper wandert.Die Zunahme der synthetischen Chemiestoffe in unserer Umwelt, meinte Ames, habe die s teigende Lebenserwartung jedenfalls nicht verhindern können.Krebs ist eine Alterskrankheit wenn man den Alterseffekt herausrechnet, sänken die Krebsraten sogar (abgesehen vom Lungenkrebs, der auf das Rauchen zurückgeführt werden kann). Ames plädierte damit nicht etwa für weniger, sondern für mehr Krebsprävention: für effizientere.Umweltgifte seien mit weniger als einem Prozent an der Krebsentstehung beteiligt ungleich stärker seien Faktoren wie Rauchen, Fehlernährung und chronische Entzündungen (jeweils etwa dreißig Prozent).Diese drei Hauptgefahren gehen mit Armut einher.Ames forderte die Politik daher auf, nicht länger Abermillionen für die Jagd nach der letzten Spur von Chemiegift und Radioaktivität auszugeben, sondern die Erhöhung des Lebensstandards zum ersten Ziel zu machen: Das sei die beste Krebsprävention. Noch einmal rührte der Grand Old Man der Biomedizin die Trommel für den reichlichen Genuß von Obst und Gemüse.Sie enthalten oxidationshemmende Stoffe wie Vitamin C und E, und Oxidationsprozesse seien es im wesentlichen, die zu Krebs führen.Unterversorgung mit Antioxidanzien aus der Ernährung übe die gleiche zerstörerische Wirkung auf die DNA aus wie direkte, radioaktive Bestrahlung. Mikrotechnik Das deltaförmige Modellflugzeug, etwa 1,5 Meter lang, hebt ab, fliegt geradeaus - und macht dann eine Kehrtwendung, die das Kinopublikum zu Bewunderungsrufen hinreißt: Chih-Ming Ho (Universität von Kalifornien in Los Angeles, UCLA) hat mit seiner Videoprojektion wieder einmal allen Kollegen die Schau gestohlen.Für das extreme Flugmanöver mußte nämlich keine Klappe bewegt werden. "Sie sehen hier", erläutert Ho die Demonstration, "wie mit Mikrosystemen Makrophänomene erzeugt werden können."In die Haut des Modellfliegers sind Zehntausende Gebilde eingelassen, die aus drei Elementen bestehen: erstens Fühlern von Submillimetergröße, die jede Verspannung messen zweitens Mikrochips, in die ein neuronales Netz programmiert wurde und drittens winzigen Plättchen, die durch ein magnetisches Feld hochgeklappt werden.Mit Hilfe dieser Gebilde werden Mi kroturbulenzen beeinflußt, die an der Flugzeughaut für einige Millisekunden entstehen und ihrerseits größere und große Turbulenzen auslösen.Die intelligente Haut wirkt auf das Mikrogeschehen und damit auf das Makrogeschehen dermaßen e ffektiv, daß das Fluggerät zu atemberaubenden Figuren ansetzt. Ein Spielzeug?Das Pentagon bezahlt diese Forschung im Rahmen seines Programms für das X-31 genannte Kampfflugzeug der Zukunft. Ein Beispiel dafür, daß die Mikrosystemtechnik näher an die Anwendung rückt.Darunter ist eine Technik zu verstehen, die Meßfühler, Chips und Stellglieder, zuweilen nur wenige Tausendstel Millimeter groß, zu nützlichen Systemen zusammenpackt.In Seattle hatten sich bekannte amerikanische Mikrotechniker zusammengefunden.Einhellig bescheinigten sie zwar der deutschen Mikrotechnik, wissenschaftlich die Nase vorn zu haben, aber zu praktischen Ergebnissen komme es wohl doch eher in den Vere inigten Staaten dort scheint man auch in der Integration der Systeme weiter zu sein.Etliche Dutzend Kleinunternehmen arbeiten gegenwärtig an Mikrotechniken für biomedizinische Testgeräte das Militär finanziert die Entwicklung billiger Giftsenso ren, die der Soldat am Handgelenk tragen kann. Auf der AAAS-Tagung bestätigte sich die Vermutung, daß nicht Mechanik, sondern "Fluidik" die interessanteste Entwicklungsrichtung werden dürfte: In der Fluidik werden Flüssigkeiten durch Mikrokanäle und Filter gedrängt.Solche Systeme kommen ohne bewegliche Teile aus, außer vielleicht hier und da einer Membran die vermaledeite Reibung tritt also nur innerhalb der Flüssigkeit oder zwischen Flüssigkeit und fester Wand auf.Reibung ist die eigentliche Schwierigkeit der Mikrotechnik.Je kleiner ein Gegenstand, desto wichtiger wird für ihn das, was an seinen Grenzen geschieht.Damit tut sich nicht nur ein technisches, sondern auch ein technologisches Problem auf: In einer Welt, in der schon eine Haaresbreite als großflächig gilt, werden Oberflächenphänomene dermaßen bestimmend, daß unsere Intuition in die Irre führt - ebenso die hergebrachten Formeln der Strömungsmechanik. Bitterschmecker Ein aufgeregtes Tuscheln, wie im Klassenzimmer, letzte Stunde vor den Ferien.Eine Oblate für alle, wie beim heiligen Abendmahl. Doch der Test mitten im Vortrag ist streng wissenschaftlich.Etliche Zuhörer behielten die Oblate keine Sekunde auf ihrer Zunge, igitt, wie bitter.So entfaltet 6-n-Propylthiuracil, kurz PROP genannt, bei manchen auf den Geschmackspapillen seine volle Wirkung und verleiht ihnen den Status des supertaster, des Geschmackssensibelchens. Drei Ernährungswissenschaftlerinnen von der Yale University und ihr Fachkollege von der University of Michigan klärten das Auditorium über Ursachen und Folgen dieser Sensibilität auf.Beim Erwachsenen, das ergaben die Studien von Linda Bartoshuk, Valerie Duffy und Lauri Ann Luchina, läßt sich eine genetisch bestimmte Variation zwischen Schmeckern, Nichtschmeckern und Superschmeckern nachweisen. Je empfindlicher ihr Geschmack auf Bitteres reagiert, um so höher ist die Zahl der pilzförmigen Papillen auf ihrer Zungenspitze. Ob nun bei Brokkoli oder Grapefruit, stets reagieren die Superschmecker heftiger als andere Menschen.Bartoshuk verwies auf den Unterschied zwischen den Geschlechtern und Kulturen: So seien 35 Prozent aller untersuchten Frauen Superschmecker, aber nur 10 Prozent aller Männer.Unter Afroamerikanern und Asiaten nimmt der Anteil der supertasters zu.Adam Drewnowski von der University of Michigan geht nun der möglichen Verbindung von weiblichen supertasters und Brustkrebs nach (seine Studie ist noch ni cht abgeschlossen). Superschmecker neigten nämlich dazu, wie Drewnowski erklärte, gerade jene Stoffe in Früchten und Gemüsen zu meiden, denen eine krebsvorbeugende Wirkung zugeschrieben wird.Sie würden lieber zum Orangen- als zum Pampelmusensaft greifen, ließen Rosenkohl stehen oder rundeten die bittere Speise mit Sahne ab.Als im Hörsaal die Überraschung sich in allzu einfachen Kausalketten verfing - heureka, jetzt ist die Ursache für Brustkrebs und andere Übel endlich entdeckt -, da sahen sich die Forscher denn doch gezwungen, viel Wasser in ihren Wein zu gießen.Genetisch bedingte Vorlieben beim Essen würden vielfach überlagert und verdrängt von sozial bedingten, warnte Linda Bartoshuk.Und Drewnowski wehrte alle Begeisterung ab, schlie ßlich antwortete allerlei Statistik nicht auf die Frage nach der Idealdiät.Die allerdings war beim Abendessen nach dieser Veranstaltung erstes Tischgespräch. Datenbergbau Im Schacht ist es duster.Mit dem Abbauhammer arbeitet sich der Bergmann vor und kommt an eine Stelle, an der es wie Gold blinkt: Diese Szene präsentierten die Communications of the ACM, das Zentralblatt der amerikanischen Informatiker, vor nicht allzu langer Zeit auf dem Titelblatt (Bd. 39, Nr. 11/96).Das Thema lautete "Data Mining", ein vielsagender Begriff.Er beschreibt das Graben nach Wissen in den Datenmassen, die mit Hilfe der Computertechnik aufgehäuft worden sind. Data Mining ist ein eigener Forschungszweig geworden, mit allem Drum und Dran: Forschungsabteilungen in der Industrie, Konferenzen (die zweite demnächst im August) und in Bälde auch ein eigenes Journal.Nach Seattle waren einige Pioniere dieser neuen Disziplin gekommen, darunter der Microsoft-Forscher Usama Fayyad, der auch das bergmännisch gestaltete Heft herausgegeben hatte.Fayyad zeigte, wie mit Hilfe von Data-Mining-Programmen interessante Muster in Datenbanken gefunden werden können die Prog ramme nutzen statistische Techniken, aber auch Neuronale Netze, Künstliche Intelligenz und maschinelle Bildverarbeitung.Eingesetzt werden sie beispielsweise im Finanzwesen, wo unermeßliche Mengen von Transaktionsdaten zusammenkommen dort hilft Data M ining, betrügerische Machenschaften zu entdecken, Kursanalysen oder Kreditprüfungen durchzuführen. Der wichtigste Anwendungsbereich dürfte indessen die Wissenschaft werden, eine unerschöpfliche Quelle für Daten.Fayyad konnte mit seinen Programmen bereits Astronomen helfen, Objekte auf photographischen Himmelsaufnahmen maschinell zu klassifizieren.Andere Programme katalogisierten vollautomatisch Vulkane auf der Venus.Das Ideal sind Programme, denen der Benutzer sagt: "Gesuchte Muster sehen so oder so ähnlich aus", und dann ackert sich der Rechner selbsttätig durch die Datenmassen - zum Beispiel durch das World Wide Web. Es könnte nämlich gut sein, daß intelligente Data-Mining-Software eines Tages die herkömmlichen Suchmaschinen im Web ersetzt. Täuschende Töne Wer sich gerne merkwürdigen Klängen aussetzt, für den ist Seattle ein Eldorado.In der Geburtsstadt von Jimi Hendrix veröffentlichen über hundert kleine Plattenfirmen experimentelle Rockmusik, und der Lokalsender KCMU weckt den Hörer mit Frank Zappa oder Grunge. Um noch Schrägeres zu hören, mußte sich der Besucher ins legendäre "Crocodile Café" begeben - oder zu dem wissenschaftlichen Vortrag von Diana Deutsch.Die Psychologin an der Universität von Kalifornien in San Diego erforscht akustische Täuschungen in Seattle führte sie einige vor. In einem Fall erklingen aus dem linken Lautsprecher eines Stereosystems abwechselnd zwei Töne, die eine Oktave voneinander entfernt sind aus dem rechten Lautsprecher erklingen die gleichen Töne, nur in versetzter Reihenfolge: Wenn das rechte Ohr den hohen Ton aufnimmt, hört das linke den niedrigen und umgekehrt.Der Zuhörer ist also einem kontinuierlichen Zweiklang ausgesetzt, wobei die beiden Töne regelmäßig die Seiten wechseln. Doch was nehmen die meisten Menschen wahr?Einen einzigen Ton, der abwechselnd hoch und niedrig ist und von Seite zu Seite schwingt. Auch in Seattle erlagen fast alle Zuhörer dieser Illusion. Mehr noch: Wenn Diana Deutsch diese Töne mittels Kopfhörer präsentiert, dann ist es für die Rechts-links-Reihenfolge vollkommen gleichgültig, wie herum der Hörer sitzt.Aber etwas anderes mache einen Unterschied, sagt die Psychologin: Rechtshänder hören den hohen Ton bevorzugt auf der rechten Seite, bei Linkshändern gibt es eine solche Präferenz nicht.An diese Experimente knüpft Diana Deutsch allerlei Spekulationen über die Gehirnfunktionen, mit denen der Mensch Höhe und Ort von Tönen wahrn immt. Diana Deutsch bleibt allerdings nicht bei einer neurobiologischen Theorie der Musikwahrnehmung stehen, denn andere Illusionen, die sie hervorrufen kann, werden nicht von Rechts- oder Linkshändern, sondern von Bewohnern unterschiedlicher Sprachräume verschieden wahrgenommen.Dieses Ergebnis deute darauf hin, "daß die Wahrnehmung stark von den Sprachmustern beeinflußt ist, denen der Hörende ausgesetzt wurde, besonders in seiner Kindheit", meint die Forscherin. Wer die Experimente selbst nachvollziehen und fortführen will, kann für dreißig Dollar eine CD mit tönenden Täuschungen bestellen: Society for Amateur Scientists, 4951 D Clairemont Square, Suite 179, San Diego, CA 92117, USA (http://www.thesphere.com/SAS/). Gedächtnistrug Was geschieht eigentlich, wenn Menschen sich an Ereignisse erinnern, die nie stattgefunden haben?Dieser Frage geht seit vielen Jahren die Psychologin Elizabeth Loftus von der University of Washington in Seattle nach.Für ihre neue Studie legte sie den Versuchspersonen eine Liste mit vierzig möglichen Vorfällen aus ihrer Kinderzeit vor.In der Antwort sollte angegeben werden, was davon ganz gewiß geschah und was ganz gewiß nicht.Zwei Wochen danach sollten die Testpersonen s ich ausmalen, daß sie einige jener Vorgänge erlebt hätten, die sie zuvor auf der Liste unter "Hat nicht stattgefunden" abgehakt hatten.Darunter waren so einfache Dinge vermerkt wie der Zehn-Dollar-Schein, den man auf einem Parkplatz gefunden hat te, aber auch Erregenderes wie ein zerbrochenes Fenster, an dem man sich die Hand verletzt haben sollte.Für diese Übung sollten die Testpersonen gezielt ihre Einbildungskraft bemühen.Anschließend wurde ihnen die ursprüngliche Vierzig-Punkte-List e erneut vorgelegt. Und mit einem Mal mochten 24 Prozent der Befragten glauben, daß sie tatsächlich einst sich die Hand am Fensterglas verletzt hatten. Loftus nennt dieses Phänomen imagnination inflation.Eine Erklärung hierfür sei, daß das angestrengte, wiederholte Nachdenken zu einer vergessenen Erfahrung zurückgeführt haben mag.Für wahrscheinlicher hält die Psychologin allerdings, daß der Akt der Einbildung, imagination, ein (nicht stattgefundenes) Ereignis mit einem Mal vertraut wirken ließ.Das wurde dann der Erinnerung und nicht mehr der Einbildung gutgeschrieben.Diese Verschiebung fällt, so Loftus, um so leichter, wenn die Einbildung das e igene Ich und nicht etwa Dritte zur Hauptperson hat.Auch wenn dies nicht Gegenstand ihrer Untersuchung ist, so weiß doch Elizabeth Loftus genau, daß ähnliche Vorgänge bei den späten Prozessen um angeblichen Mißbrauch in früher Kindheit eine Rolle spi elen. Sonnenwind Eine Filmpremiere, und was für eine: Die Sonne ist der Star, und sie macht mächtig viel Wind.Da stirbt ein unbekannter Komet vor unseren Augen, fliegt auf den gleißenden Stern zu und verschwindet plötzlich spurlos, und das am Tag vor Weihnachten, am 23.Dezember 1996.Pech gehabt, Bescherung verpaßt.Nein, Glück gehabt, man muß nur Guenter E.Brueckner vom US-amerikanischen Naval Research Laboratory ins Gesicht schauen, ein strahlender Sonnenforscher. Was war geschehen?Ende Dezember hielt Lasco, der Weitwinkel-Spektrometer-Coronagraph an Bord der Sonnensonde Soho die letzten Sekunden im Leben jenes Kometen fest.Am anderen Ende des solaren Blickfeldes aber, gen Westen, entdeckte Lasco noch Aufregenderes, das mit dem Tod des Kometen nichts zu tun hatte.Dort zischten Sonnenwinde aus ionisiertem Gas in 22 Millionen Kilometer Entfernung von der Sonnenoberfläche hinaus ins All.In diesen Wochen gilt die Sonne eher als ruhig. Sie ist dann solchen Ausbrüchen, bei denen Milliarden Tonnen von Gas hinausgeschleudert werden und sich vom Zentralgestirn mit 450 Kilometern pro Sekunde entfernen, eher abhold.Doch nun führte Lasco erstmals vor, wie zappelig dieser Stern selbst in seiner Ruhephase noch ist.Ungefähr einen der sogenannten koronalen Massenauswürfe registrierte das Spektrometer pro Tag, weit mehr, als die Forscher bislang vermutet hatten.Brueckner begeisterte sich: "Alle bisherigen Theorien über die Sonnenwinde w aren falsch."Nun wäre selbst für Lasco das Gestirn zu hell, zu gleißend, als daß er ihm direkt ins Auge schauen dürfte.Man behilft sich da mit einem Trick: Die Sonne selbst wird von einem Ring verdeckt, beobachtet wird nur der äußere Ring, die Coron a.Zudem werden bei der Bildbearbeitung Lichtverhältnisse hergestellt, die etwa die Sonnenwinde filtern. Am 6.Januar registrierte Lasco einen weiteren, kräftigen Massenauswurf, diesmal in Richtung Erde, wo dieser Sonnenwind einiges Durcheinander anrichtete (siehe ZEIT Nr. 6/97).Wer sich den Thriller aus dem All anschauen möchte, wähle http://lasco-www.nrl.navy.mil/lasco.html. Gen und Gesetz Was folgt aus und nach dem Human Genome Project, der Erfassung aller Gene des Menschen?Die Frage zielt nicht nur auf das Forschungsgeld, das reichlich nur fließt, bis das Projekt HUGO in wenigen Jahren zu Ende gehen wird.Schon jetzt verführt das Vorhaben zu vorschnellen Schlüssen.Krankheiten sind eben komplexer, als es die Entdeckung einzelner Merkmale - typische Schlagzeile: "Brustkrebs-Gen endlich gefunden" - erahnen lassen.Doch am endlichen Erfolg zweifeln die beteiligten W issenschaftler kaum.In Seattle war man sich in diesem Punkt einig: Wir werden das alles genau wissen, eher früher als später.Bloß, was tun mit diesem Wissen, das auf einzigartige Weise ganze Gesellschaften zu verändertem Verhalten zwingt, den Bürge r wie den Parlamentarier, den Anwalt wie den Arzt, den Patienten wie den Versicherungsagenten?Im Jargon heißt es da gern treffend: Hier ist der Gesetzgeber gefordert.Wenn das so einfach wäre. Die Frage nach Gen und Gesetz lief jedenfalls zu Recht wie ein roter Faden durch die unterschiedlichsten Veranstaltungen. Das Wort von der genetischen Diskriminierung macht die Runde, die ZEIT berichtete jüngst darüber, wie etwa Kindern aus Risikofamilien in den Vereinigten Staaten der Gesundheitsschutz verweigert wird (Nr. 4/97).Wer garantiert die Vertraulichkeit eines Gentests, wer schützt vor falschen Befunden, wer steht für überflüssige medizinische Eingriffe gerade?Margaret Strand, Rechtsprofessorin an der George Washington University Law School, warnt die Wissenschaftler: Wo diese beratend tätig werden, schüt zt sie das amerikanische Gesetz weit weniger als etwa Ärzte oder Anwälte.Und ohne solche Beratung wird die Praxis der Gentests im Alltag nicht auskommen. Noch Jahre später drohen hier womöglich Regreßverfahren. Technikträume Der Gast betritt das Hotel und ruft dem Aufzug zu: "Bitte leite alle Faxe und jede E-Mail, die an meine Heimatadresse gingen, auf mein Hotelzimmer um." - "Wird gemacht", schnarrt die Maschine. Von dieser Art waren die technotischen Phantasien, die auf einer Veranstaltung über mobile computing ausgesponnen wurden.In Seattle sind bereits sogenannte microcells an viele hundert Laternenmasten montiert: kleine Radiostationen, mit denen der mobile Computermensch per Modem Funkkontakt aufnehmen und sich auf diese Weise in die Netzwelt einloggen kann.Das System heißt "Ricochet" und wird, wie ein Firmenvertreter zugab, weniger von Geschäftsleuten als vielmehr von Computerfans benutzt. Hübsch wäre es gewesen, wenn die Teilnehmer der Diskussionsveranstaltung in Sekundenschnelle mit Laptops und Funkmodems ein Ad-hoc-Netz hätten aufbauen können, um einander Dokumente und Kommentare zuzusenden. Diese Idee für mobile computing könnte vielleicht für Lehrveranstaltungen und den Schulunterricht nützlich werden.Indes - es war auch jemand nach Seattle gekommen, der den Spielverderber gab: der Informatiker Suresh Singh von der Universität South Carolina.Er argumentierte, daß bereits die heutige Technik fast alle Kommunikationsbedürfnisse befriedigen könne, und warum sollte man dann für die letzten zehn Prozent Bequemlichkeit größeren technischen Aufwand betreiben? Und der Aufwand würde enorm sein.Damit mobile Computer durchhalten, müssen ihre Batterien besser werden - eine alte, unerfüllte Forderung. Auf die Anbieter der mobilen Datendienste wiederum käme exorbitanter Rechenaufwand zu: Ihre Funkverbindungen müßten intelligent mit störenden Ereignissen wie zum Beispiel Tunneldurchfahrten umgehen, und auch die im Funkverkehr unumgängliche Verschlüsselung dürfte kräftig Rechenzeit saugen.Aus Gründen des Energiesparens müßte die Software der Betreiber extrem aufwendige Datenströme aus dem Internet ausblenden - Bilder zum Beispiel und damit mobiles Computern wirklich praktisch w ird, wären nicht zuletzt bessere Miniaturbildschirme und Minimäuse vonnöten. Lapidar konterten die Befürworter: Alles richtig.Aber die Leute werden's kaufen, und so kommt das Geld für den Aufwand wieder herein.