Manche Zeichner versuchen, wenn sie die wahren Machtverhältnisse realisiert haben, ihre eigene Kreatur zu zerstören, indem sie ihr immer neue Superschurken auf den Hals zeichnen. So sind unter anderen Lex Luthor, der Riddler, Galactus und der Alte Sack entstanden.

Das Studium der Comicgeschichte aber zeigt, daß solche Versuche immer zur Fruchtlosigkeit verurteilt bleiben. Derjenige, der dem Comicheft den Namen gibt, bleibt Sieger, das ist eins der Naturgesetze des Comic strips. Noch kein einziger Superschurke hat es zu einem eigenen Comicheft gebracht, egal, mit welchen kosmischen Kräften er auch ausgestattet war. Meine eigenen Versuche auf diesem Gebiet sind kläglich gescheitert, und ich muß auch zugeben, daß sie strategisch etwas zu wünschen übriggelassen haben. Wer einen alten Mann im Rollstuhl und einen blöden Hund gegen das Kleine Arschloch ins Feld führt, darf sich nicht wundern, den kürzeren zu ziehen.

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Andere Attentate auf das Kleine Arschloch, wie kindische Radierversuche oder die schiere Weigerung, es zu zeichnen, blieben erfolglos und wurden umgehend geahndet. Gefangener im Energiebann der Fangemeinde, wurde ich nach jedem Mordversuch genötigt, es durch kleine Göttergaben wieder milde zu stimmen, ein Kleines-Arschloch-T-Shirt hier, ein Kerzenleuchter in Arschlochform dort. Zum ersten Mal verdichtete sich bei mir der Verdacht, daß das Kleine Arschloch sich zum Zentralereignis der menschlichen Kulturgeschichte stilisieren wollte, und zwar in allen Disziplinen, sogar als Frotteehandtuch, Küchenschürze und als mit obszönen Motiven bedruckte Unterhose.

Ungefähr zu dieser Zeit erschien auch das erste Prosawerk des Kleinen Arschlochs, "Schöner Leben mit dem Kleinen Arschloch" , eine mehr schlecht als recht als Lebensratgeber getarnte Propagandapublikation, in Wirklichkeit eine allgemeine Gesetzgebung nach den wirren moralischen Vorstellungen des Kleinen Arschlochs, inhaltlich verwerflicher als die Memoiren Klaus Kinskis und schlechter geschrieben als die Mao-Bibel. Die Leute lachen über dieses Machwerk -, aber hat man das früher nicht auch bei "Mein Kampf" getan?

Es wurde mir langsam klar, daß das Kleine Arschloch eine Gesamtstrategie verfolgte, die auf den Berufswunsch "Herrscher des Universums" hinauslief. Vor der naiven Fangemeinde markierte es immer noch die bescheidene Kultfigur mit street credibility, aber mich konnte es nicht mehr länger täuschen.

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