Die knapp tausend Passagiere in dem gewaltigen Großraumjet gleiten langsam der Landebahn entgegen. Fast lautlos berühren die meterhohen Räder der fliegenden Stadt den Boden. Dann rollt der Airbus-Riesenjet dem Frankfurter Flughafengebäude entgegen. Das Bodenpersonal dockt zwei Gangways an die beiden Etagen des Flugzeugrumpfes an. Minuten später haben die Passagiere des Nonstopflugs aus Tokio die Maschine verlassen. Ein Blick über das Flughafengelände zeigt: Die meisten Airlines benutzen den europäischen Supervogel für ihre Langstreckenflüge.

Der amerikanische Jumbo-Jet Boeing 747 - jahrzehntelang der König der Lüfte - ist zum Auslaufmodell geworden.

Noch ist das ein Tagtraum von Airbus-Ingenieuren. Denn bislang gibt es den Luftgiganten mit dem Arbeitsnamen A3XX nur als Modell auf dem Schreibtisch von Jürgen Thomas in der Toulouser Zentrale.

Als Projektchef der Large Aircraft Division bereitet der sechzigjährige deutsche Flugzeugingenieur für das Luftfahrtkonsortium von Daimler-Benz Aerospace (Dasa), der französischen Aérospatiale, British Aerospace und der spanischen Casa Europas Antwort auf den Jumbo-Jet vor.

Simulationen auf Postern an Thomas' Bürowänden zeigen, wie der A3XX von innen aussehen soll. Zwischen 555 und 990 Passagiere sollen auf den beiden Stockwerken Platz finden. Konferenzräume, Schlafzellen, Spielplätze und Krankenstationen können auf Wunsch eingebaut werden. Die Entwicklungskosten schätzt Airbus auf rund dreizehn Milliarden Mark. Im Herbst 2003 soll der 540-Tonnen-Riese erstmals abheben. "Die A3XX wird das größte und beste Flugzeug der Luftfahrtgeschichte sein, und darauf sind wir sehr stolz", sagt Thomas.

Doch nicht der Ehrgeiz, sondern Überlebenswille treibt Europas Flugzeugbauer. Denn seit Boeing seinen amerikanischen Wettbewerber McDonnell Douglas geschluckt hat, wiegt der große Konkurrent aus Seattle bei Umsatz und Mitarbeiterzahl fünfmal soviel wie der europäische Unternehmensverbund. Zudem kommt Boeing mit dem Douglas-Militärgeschäft an Staatsaufträge, die gegen das unberechenbare Auf und Ab im zivilen Markt absichern. Im Duell mit Boeing könne Airbus nur überleben, wenn das Konsortium in den lukrativen Jumbo-Markt vordringe, ergab kürzlich eine Analyse des US-Brokerhauses Lehman Brothers.

Doch dieser Kraftakt ist nur zu schaffen, wenn die Konsorten ihre lockere Flugzeugkooperative schnell in eine Kapitalgesellschaft mit schlagkräftigem Management umwandeln. Damit ist Airbus zum Testfall geworden für die Fähigkeit der Europäer, nationale Kleinstaaterei zu überwinden.