Ein kleines A mit einem gegen den Uhrzeigersinn herumgedrehten Kringel macht Weltkarriere und nistet sich mit Macht auch im deutschen Buchstabenbewußtsein ein. Computerfans und Internet-Begeisterten ist es längst bekannt. Sie drücken die Tasten Alt Gr und Q gleichzeitig - oder wenden einen vergleichbaren Kunstgriff an -, und schon steht es auf dem Bildschirm. Sie nennen es Klammeraffe, Affenohr, manchmal auch Affenschwanz oder, überseriös, at, denn es soll vom englischen Wort für "je" oder "bei" stammen. Soll. Unsere Forschung nämlich schweigt noch dazu.

Wer Lexika zum Klammeraffen befragt, wird herb enttäuscht. Sogar der Informatik-Duden glänzt auf allen Stichwortebenen mit Nichtwissen. Dabei verunstaltet das Zeichen bereits Zeitschriftentitel (pl@net etwa). Auch murren Buchdrucker über die zu großen Ober- und Unterlängen des @; sie müssen ja neuerdings E-Mail-Adressen auf Visitenkarten drucken. Der Klammeraffe nämlich trennt für die Mail den Menschen von der Maschine: links die Person, dann das ominöse Zeichen, dann die Netzdomäne, die den Menschen bedient.

Das Zeichen kam auf wunderliche Weise dorthin: durch den Programmierer und Hacker Ray Tomlinson, der 1972 für die damaligen Computernetze den elektronischen Postversand schuf. Um möglichst alle Komplikationen auszuschließen, forschte er nach einem Zeichen, das niemals im Namen eines Menschen auftauchen würde und damit als eindeutiger Trenner dienen konnte. Er blickte auf die Tastatur, die er benutzte, ein Model 33 Teletype, und fand @. Das Zeichen bedeutete nicht nur passenderweise "bei", sondern erfüllte auch alle Vorgaben.

Tomlinson hatte keine Ahnung, daß er die Welt mit einem neuen Buchstaben pflasterte. Viele seiner Freunde waren entsetzt über die Entscheidung, denn in manchen Computersystemen der damaligen Zeit war der Klammeraffe das Steuerzeichen fürs Löschen einer Zeile. Der Zeilenkiller verkürzte anfangs elektronische Botschaften auf unangenehme Weise, aber im April 1975 wurde das Problem durch eine neue Vereinbarung über einen Standardbriefkopf gelöst.

Bloß, wo kommt der Klammeraffe ursprünglich her? Wer das erforschen will, hat eine harte Nuß zu knacken. Eine einigermaßen zeitige Erwähnung für Deutschland war in dem fabelhaften Schriftenbuch von Kiermeier-Debré/Vogel (1995) zu finden: Der Altmeister der deutschen Typographen, Hermann Zapf aus Frankfurt, hat alle relevanten Piktogramme und Typosignale in den "Zapf Dingbats" bereits 1978 publiziert; da erscheinen gleich zwei Varianten des unverkennbaren Klammeraffen.

In den Vereinigten Staaten ist das Zeichen viel älter. Es trägt die Nummer 64 des amerikanischen 7-Bit-Standard-Codes für Datenaustausch, genannt Ascii, erlassen von der Normungsbehörde American National Standards Institute (ANSI) in den frühen sechziger Jahren. Zum Vergleich: Im 5-Bit-Code des Franzosen Emile Baudot (nach ihm ist die Datentransferrate Baud benannt) vom Ende des 19. Jahrhunderts ist unser Klammeraffe noch nicht vertreten.