Nachdem der Mensch aus dem Paradies vertrieben war, wurde er zum Sammler. Er lernte, jedes Steinchen umzudrehen und so die Welt zu erkennen, am Ende gar sich selbst. Davon handelt "Eve", die neue Multimedia-CD des Rockmusikers Peter Gabriel: vom Aufstieg des Menschengeschlechts aus Schlamm und Ödnis, inszeniert als Computerspiel.

Die CD-ROM präsentiert sich als eine schier endlose Sammlung puzzleartiger Szenen. Eine skurrile Welt gilt es geduldig zu durchforschen. Überall müssen Informationen, Klänge, Werkzeuge entdeckt und zusammengefügt werden, sonst geht es nicht weiter. Der Mensch steigt durch Ausgänge und über Umwege, findet hier etwas, dort etwas anderes und muß oftmals mehrere Stationen zurückklicken, wenn ihm der Sinn eines Arrangements erst später klargeworden ist. Er ist wieder ein Sammler in einer ungemütlichen, unverstandenen Welt, in der Gott alles Wichtige versteckt hat. Auch eine Art Hölle gibt es: Ein Videoteam hat eine Reihe von Menschen zum Thema Liebe, Gott und Welt befragt, und was sie zu sagen haben, ist meist überaus peinigend.

Vier Künstler waren maßgeblich an der Gestaltung der Szenen beteiligt: Yayoi Kasuma, Helen Chadwick, Cathy de Monchaux und Nils-Udo Laas. Vier verschiedene Welten sind dabei herausgekommen, genannt mud, garden, profit, paradise; die Spielregeln schreiben vor, daß man sie nacheinander durchschreitet - gemäß der etwas esoterischen Kosmologie von Peter Gabriel. Dabei begegnet man immer wieder dem Meister selber, wie er sinnbildlich seines Weges zieht: als Adam auf der Suche nach der entflohenen Eva.

Mit der Verbindung von zeitgenössischer Kunst und seiner Musik setzt Peter Gabriel den Weg fort, den er 1994 mit der CD-ROM "Xplora 1" eingeschlagen hat. Über 100 000 Exemplare sollen von ihr bis heute verkauft worden sein; im Multimediageschäft war sie einer der ersten (und auch schon wieder letzten) großen Erfolge.

Aber "Eve" soll nun mehr sein als eine weitere Multimedia-CD. Gabriel will zeigen, wohin die Reise geht: in eine Zukunft, in der sich das Spiel mit Bildern und Tönen aus der Welt der Computer mehr und mehr befreit. "Wir haben mit Künstlern zusammengearbeitet, die ,Nature Art' produzieren, wir wollen die einfache Sicht auf die Dinge, auf Wasser, Gras, Himmel und Baum so direkt wie möglich vermitteln", sagte Gabriel vor drei Wochen auf der Multimediamesse Milia in Cannes, wo sein Werk sogleich den Hauptpreis Milia d'Or gewann.

Der Aufwand für die Produktion der einfachen Sicht war beträchtlich: 22 000 Photos liegen den Landschaften zugrunde. Auch an Musik und Videos ist nicht gespart worden; wer alles sehen wollte, hätte etliche Dutzend Stunden zu tun. Sechzig Entwickler haben zwei Jahre lang in Gabriels Realworld-Studios nahe Bath in England an den Szenarien gearbeitet.