Von Zeit zu Zeit überkommt Gerhard Cromme offenbar der unwiderstehliche Drang, das Ruhrgebiet aufzumischen. Zum ersten Male geschah das 1987, als er sich daranmachte, das Kruppsche Stahlwerk im Duisburger Vorort Rheinhausen stillzulegen. Der aufopfernde Straßenkampf der Stahlarbeiter ging in die Historie ein. Doch von Brückenbesetzungen und selbst Mahnwachen vor seinem Wohnhaus ließ sich der von seiner Entscheidung überzeugte Manager nicht beirren. Damals war er Vorstandsvorsitzender der Krupp Stahl AG. Vier Jahre später - inzwischen zum Vorstandsvorsitzenden des Krupp-Konzerns avanciert - machte er sich daran, den Konkurrenten Hoesch aus Dortmund zu schlucken. Und nun ist er dabei, den mächtigen Rivalen Thyssen unter die Fuchtel der Fried. Krupp AG Hoesch-Krupp zu bringen.

Diesmal muß er nicht nur mit massiven Aktionen der Stahlwerker rechnen. Cromme ist überdies an einen weit wehrhafteren Gegner geraten. Anders als der Hoesch-Vorstand sieht Thyssen-Chef Dieter H. Vogel eine reale Chance, sich und sein Unternehmen vor der bedrohlichen Umarmung durch Krupp zu retten. Thyssen ist fast doppelt so groß wie der aggressive Aufkäufer und steht wirtschaftlich besser da (siehe Kasten).

Auf Crommes Pläne, die am Montag abend ruchbar wurden, reagierte Thyssen mit einer harschen Presseerklärung. Da war die Rede von "Wildwest-Manieren" und von dem "Versuch, die erheblichen eigenen Probleme durch Zugriff auf die Reserven von Thyssen" zu lösen.

Und weiter hieß es, wirtschaftlich sinnvoll könne eine Übernahme nur dann sein, wenn "Zehntausende Arbeitsplätze in einem Rationalisierungsprogramm abgebaut würden".

Gerhard Cromme wird das alles zwar nicht unbeeindruckt lassen, es wird ihn aber kaum von seinem Weg abbringen, den er schon in der Vergangenheit rigoros - viele sagen rücksichtslos - verfolgt hat. Den damals ebenfalls als frech empfundenen Hoesch-Coup begründete der ehrgeizige Krupp-Stratege mit den harten Wettbewerbsbedingungen auf dem Stahlmarkt, die ohne Konzentration in der Branche nicht zu bewältigen seien.

Der heute 54jährige hat in den harten Auseinandersetzungen um Rheinhausen und Hoesch gelernt, daß sich die Widerstände gegen seine zunächst als unzumutbar empfundenen Pläne schneller legen, als die Widerstrebenden zunächst selbst geglaubt haben. So vermittelte er den Hoesch-Mitarbeitern sehr schnell das Gefühl, sie seien nicht Besiegte, sondern gleichberechtigte Teile eines neuen Unternehmens, das nur zufällig Krupp und nicht Hoesch heiße. Die Fachwelt bestätigte seine Leistung: Ende 1992 wurde er zum "Manager des Jahres" gekürt, unter ausdrücklicher Anerkennung des Managements der Krupp-Hoesch-Fusion.

Er habe sich nach dem Zusammenschluß nicht lange "mit soft facts aufgehalten", sondern sich um "harte Einsparungen" gekümmert, erklärte er seinen Erfolg noch vor kurzem im manager magazin.