Die Europäische Währungsunion (EWU) steht jetzt ganz oben auf der Tagesordnung der Politik. Daß Opposition dagegen lauter wird, ist für Proeuropäer wie mich kein Grund zur Verzagtheit. Im Gegenteil: Das Anschwellen des Chores der Gegner der Währungsunion ist sogar zu begrüßen, denn ein solch historischer Schritt, wie ihn die Währungsunion bedeutet, bedarf heftigster öffentlicher Kontroverse.

Als technokratisches Projekt von oben wird weder die Währungsunion noch die weiter gehende politische Integration Europas durchsetzbar sein. Daß er das nicht begriffen hat, wird sich noch als Helmut Kohls schwerster politischer Fehler erweisen.

Die gegenwärtige Europa-Diskussion wird in Deutschland zur Zeit ausschließlich ökonomisch geführt. Dabei handelt es sich bei der gemeinsamen Wirtschafts- und Währungsunion in erster Linie um die politische Frage der vollständigen Integration der Nationalstaaten innerhalb der Europäischen Union und um die Übertragung ihrer substantiellen Souveränitätsrechte auf die EU. Dazu gehört nicht zuletzt die Währung. Es gibt gewiß zahlreiche ökonomische Gesichtspunkte, die mit dem Schritt zum Euro, der gemeinsamen europäischen Währung ab 1999, verbunden sind.

Wird dieses Europa der Währungsunion nicht am Ende eine gemeinsame Exekutive, also eine zentrale europäische Regierung brauchen?

Und wird nicht die wiederum eine europäische Legislative erforderlich machen, also ein Parlament, das diesen Namen wirklich verdient?

Doch der politisch hochkontroverse Punkt, um den es in der gegenwärtigen Währungsdebatte in Wahrheit geht, ist ein anderer: Diesen Punkt sollte man klar und deutlich benennen, keine Ausflüchte versuchen und auch kein taktisches Drumherumreden. Die Befürworter einer vollständigen europäischen Integration - und demnach auch ich - hoffen auf diesen von der Währungsunion und dem Euro ausgelösten politischen Integrationszwang Europas. Ihre Gegner wiederum fürchten nichts so sehr wie genau diesen aus dem gemeinsamen Geld sich ergebenden Zwang zur völligen politischen Integration.