In den Softwareregalen findet man immer öfter diese grellbunten Schachteln, die sich mit riesigen Lettern als Power-, Basis-, Mega-, Ultra- oder Giga-Pack anpreisen. Das kommt, weil Firmen wie tewi, Topware oder Koch auf dem Markt für CD-ROMs ein neues Geschäft wittern: Sie packen alles zusammen, was schon etwas älter, also billig ist. Zwischen 10 und 45 Programme finden sich in einem Karton, der meist knapp fünfzig oder hundert Mark kostet.

Das ist, als würde man im Kaufhaus Autopolitur, Haarbürste, Gebißreiniger, Füllfederhalter, Babyrassel, Manschettenknöpfe, Wörterbuch, Büroklammernspender und noch vieles mehr in einem einzigen Paket bekommen, zwanzig Teile für fünfzig Mark. Nach dem Auspacken würde man jedoch oft genug feststellen, daß der Füller in einer "Trainingsversion" beiliegt, der nach zwanzig Zeilen die Tinte ausgeht, und daß das Wörterbuch "Englisch lite" nur Stichwörter von A bis C verzeichnet. Denn zum Teil liegt die Software gar nicht als Vollversion vor, wie es die Verpackung einem weismachen will, sondern als Demo, ist also nur zum Ausprobieren gedacht und müßte im Ernstfall noch extra bezahlt werden.

Da enthüllt ein Hotelführer von Deutschland nur die Details von Berliner Hotels; oder ein Zeichenprogramm macht bei fünfzig Elementen in einem Bild das Fenster dicht. Wer damit nicht auskommt, muß sich die Vollversion kaufen. Solche Enttäuschungen beschert einem die CD "Power Software für Unicef", deren Gewinn teilweise an die Kinderhilfsorganisation fließen soll. Für manchen wird sich der Kauf aber vielleicht schon wegen eines einzigen Produktes lohnen: Das Datenbankprogramm dBase für Windows 5.0 ist ohne jede Einschränkung dabei. Die 32 anderen Programme sind vorwiegend von der Sorte, die zum Weiterleben nicht unbedingt nötig ist: vom Mainzelmännchen-Bildschirmschoner bis zum Scherzvirus. Brauchbares ist nur wenig zu entdecken.

Leider sehen die Kunden vor dem Kauf nicht, was sie erwerben; auch nicht, wie alt die Produkte sind. So geraten sie oft an Oldies, die bis zu sechs Jahre auf dem Buckel haben - eine Ewigkeit im Computergeschäft. Auf den Verpackungen ist davon meist nicht die Rede. Selbst wer einen Blick in den Karton werfen könnte, würde nicht viel schlauer. Auf gedruckte Handbücher für die Programme muß man nämlich immer verzichten, und manchmal fehlen sogar korrekte Hinweise zur Mindestausstattung des Rechners oder zur Installation der Software.

Daß es auch anders geht, zeigt die österreichische Firma Koch mit ihrer "Ultrapack"-Reihe. Darin finden sich durchaus auch bekanntere Namen. Man könnte sich beispielsweise eine Grundausstattung fürs Büro nur aus Klassikern der Firma Lotus zusammenstellen: aus der Textverarbeitung Ami Pro 3.1 (Vol. 1), dem Terminkalender Organizer 1.1 (Vol. 2) und der Tabellenkalkulation 1-2-3 in der Version 4 (Vol. 3). Datenbanken gibt es bei Koch überhaupt nicht, dafür ist mit dem Zeichenprogramm CorelDraw 3.0 im dritten Ultrapack ein weiterer Knüller vertreten, der zwar einige Jahre alt ist, aber noch gute Dienste leisten kann. Leider fehlen im Vergleich zum Corel-Original viele Schriften und Bilder.

Koch hat sich sichtlich darum bemüht, keine Demos im Gewand von Vollversionen zu verstecken. Viele Programme kommen aus dem Bereich Reise und Verkehr, vom Atlas (Vol. 1-3) über den Routenplaner (Vol. 1) bis zum Hotelführer (Vol. 1). Im ersten "Ultrapack" ist auch das "Bertelsmann Universallexikon" von 1995 enthalten, das zwar kaum Multimedia bietet und nur magere Einträge, aber die sind immerhin seriös. Schließlich finden sich in der dritten Kompilation 35 Millionen Namen mit Anschriften auf der Adreß-CD Deutschland, oft mit Telephonnummern.

Der "Basis-Pack" von tewi enthält neben einem verstümmelten Restaurantführer einen guten Routenplaner und die Infopedia 2.0, eine ausgezeichnete Sammlung amerikanischer Nachschlagewerke, unter einer gemeinsamen Oberfläche: außer der 29bändigen Funk-&-Wagnalls-Enzyklopädie und einem Weltatlas auch diverse Wörterbücher aus dem Hause Merriam Webster. Dafür fehlen hier die klassischen Büro-Anwendungen.

Tewis "PowerOffice" richtet sich dagegen eher an Anwender aus der Wirtschaft. Sowohl Hotelführer als auch Zeichenprogramm entpuppen sich als Demoversionen; dafür gibt es immerhin ein Verzeichnis von drei Millionen deutschen Firmen im Tele-Info Business. Mit SnapGraphics 2.0 lassen sich Geschäftsdiagramme am Bildschirm erstellen, und ein Programm zum Kontaktmanagement hilft etwa beim Telephonmarketing.

Gold 2 von Topware bietet auf einer CD gleich 45 Programme. Einen großen Teil nehmen jedoch Spiele und Hilfsprogramme unter DOS ein, die nur noch wenige interessieren dürften. Dafür bietet die Sammlung viel Nützliches für die Bildbearbeitung, zum Beispiel den Picture Publisher 4.0 und das Vektorgraphikprogramm Designer 4.0 aus dem Hause Micrografx. Die Programme sind zwar nicht mehr die jüngsten, taugen aber immer noch sogar für professionelles Arbeiten.

Verkappte Demos sind weder bei Gold 2 noch bei dem neueren Gold 3 von Topware zu entdecken. Dafür bietet die dritte Folge zehn CDs, die mit 46 Windows-Anwendungen vollgepackt sind. Besonders Büro- und Graphiksoftware ist stark vertreten. Bei der Textverarbeitung WordStar 2.0 und der Tabellenkalkulation SuperCalc 1.0 werden manchen Käufer nostalgische Gefühle anwehen. Mit dBFast 2.0c, Paradox 5.0 und dBase 5.0 stehen gleich drei Datenbanken zur Wahl, wobei dBase aber nur 500 Datensätze pro Datei akzeptiert. Auch bei Geschäftsgraphiken fällt die Wahl schwer, denn gleich fünf Programme von Harvard Graphics 2.0 bis zum ABC Flowcharter 3.0 stehen bereit - kein schlechtes Angebot für ganze fünfzig Mark.

Power Software für Unicef

fit, München

33 Programme, 89 Mark

Ultrapack Vol.1-3

Koch, Planegg

je 10 Programme, 99,95 Mark

Basis-Pack

tewi, München

18 Programme, 99 Mark

PowerOffice

tewi, München

15 Programme, 99 Mark

Gold 2, Gold 3

Topware, Mannheim

je 45 Programme, 49,95 Mark