Ein weitgehend unbekanntes Kapitel in der Geschichte des Nazireiches sind die Dotationen, die Adolf Hitler als Führer des Großdeutschen Reiches vorwiegend an Führungspersönlichkeiten verlieh. Wie die sicherlich nicht vollständigen Akten des Bundesarchivs ausweisen, wurden für die damalige Zeit gewaltige Summen als Geldgeschenk in Reichsmark oder als Immobilie Parteigenossen, Künstlern, Generälen und Feldmarschällen der Wehrmacht übereignet - natürlich steuer- und abgabenfrei.

Hitler nahm damit im nationalsozialistischen Volksstaat eine Tradition des absolutistischen Ständestaates wieder auf, die mit dem Ersten Weltkrieg eigentlich zu Ende gegangen war. Als Dotationen (von lateinisch dos = Mitgift, Geschenk, Gabe) werden Anerkennungen des Staates für besondere Dienste bezeichnet. Der Zweck war unzweideutig: Thron und Gefolgsmann sollten durch den materiellen Dank enger aneinander gebunden werden.

Schon Friedrich der Große machte von dieser Möglichkeit reichen Gebrauch auch Napoleon, Usurpator eines Throns, versuchte, seine Generäle und Marschälle durch reichliche Geldgeschenke an sich zu binden. So erhielt jeder Marschall für den Feldzug des Jahres 1809 gegen Österreich eine Million Franken.

In Preußen wurde die Vergabe von Dotationen nach den Freiheitskriegen 1812 bis 1815, in großem Maße aber nach den Einigungskriegen 1864, 1866 und 1870 an Heerführer und Staatsmänner üblich. Allein aus den französischen Kriegskontributionen des Jahres 1871 wurden dafür vier Millionen Taler ausgegeben.

Ein Paradebeispiel für eine Serie von Dotationen ist der preußische Ministerpräsident und spätere Reichskanzler Otto von Bismarck.

Nach dem deutsch-dänischen Krieg 1864 erhebt ihn Wilhelm I. in den erblichen Grafenstand. Nach dem Sieg Preußens über Österreich 1866 wird Bismarck zum General ernannt und erhält eine Dotation von 400 000 Talern. Der König empfiehlt der Frau seines Ministerpräsidenten, damit Grundbesitz zu erwerben, "welcher mit dem Ruhm ihres Mannes und ihrer Familie dauernd erhalten bliebe". Bismarck kauft in Hinterpommern das Gut Varzin, 22 500 Morgen groß, inklusive fünf Dörfern. Nach dem deutsch-französischen Krieg wurde Graf Bismarck 1871 in den erblichen Fürstenstand erhoben und ihm der Dominalbesitz Schwarzenbek mit Sachsenwald im ehemaligen Herzogtum Lauenburg mit einer Größe von 25 000 Morgen und einem Wert von einer dreiviertel Million Talern übertragen.

Während der Invalide sehen mußte, wie er sich weiter durchs Leben schlug, und Bauern und Bürger die Kriegsschäden auf eigene Kosten zu reparieren hatten, wurden Minister und hohe Offiziere für ihre Kriegstaten großzügig belohnt. Höchstens ein paar Sozialrevolutionäre kritisierten diesen Brauch, das Volk nahm ihn, wie vieles im Leben, als von Gott gefügt in Demut und Dankbarkeit an.