Schon mit sechzehn Jahren ging Ernst Bloch zum Militär und kämpfte während des Ersten Weltkrieges an der Westfront. Er wurde mit Orden dekoriert und zum Offizier befördert. Doch als die Nationalsozialisten an die Macht kamen, geriet der Oberst in große Schwierigkeiten: Bloch hatte jüdische Vorfahren. Da setzte sich Admiral Canaris, Chef der Abwehr, dafür ein, daß Bloch die "Deutschblütigkeitserklärung" bekam. Obwohl Hitler wußte, daß Bloch "Mischling 1. Grades" war, erteilte er ihm die Genehmigung. Bloch diente weiterhin in der Abwehr, und er nutzte seine Macht als Offizier, um den Rabbiner Joseph Schneersohn aus dem Warschauer Ghetto zu befreien.

Schneersohn war der charismatische Kopf der ultraorthodoxen Lubawitscher Juden. Nach der Lehre des chassidischen Judentums war er mit außergewöhnlichen spirituellen Kräften ausgestattet, die ihn befähigten, Mittler zwischen Gott und den Menschen zu sein. Als die Nazis im September 1939 Polen überfielen, war der Rabbi in Warschau eingeschlossen.

Sein Schicksal war für Tausende von Juden auf der ganzen Welt von besonderer Bedeutung.

Der dynastische Führer sei 1939 von einem deutschjüdischen Soldaten aus dem Ghetto befreit worden, heißt es in der Überlieferung der Lubawitscher Juden. Dieser Mann war Ernst Bloch. Er reiste im Auftrag von Canaris nach Warschau, und als Wehrmachtssoldaten das Sonderkommando bedrohten, schrie Bloch sie an, er habe den Auftrag, Schneersohn und andere Juden nach Berlin zu bringen.

Einer von Blochs Kameraden, der bei der Mission half, erinnert sich an einen weiteren Zwischenfall an einem Grenzposten: "Bloch wurde von SS-Männern angehalten. Sie waren erstaunt. Sie sahen ihn an, einen Offizier, und dann fiel ihr Blick auf unsere zwanzig orthodoxen Juden. Als Bloch ihnen den Sonderauftrag mitteilte, waren die SS-Männer erst recht schockiert. Erstens konnten sie nicht verstehen, warum diese Juden in unsere Hauptstadt verfrachtet werden sollten, und zweitens ließen sie sich nicht gerne von einem Wehrmachtsoffizier Befehle erteilen." Als sie Bloch gefährliche Fragen stellten, wurde er rot vor Zorn und brüllte: Er handele im Auftrag von Canaris, und er stehe in Kontakt mit mehreren Armee-Einheiten in der Umgebung. Und wenn diese kleinlichen SS-Männer ihn nicht durchließen, würde er persönlich dafür sorgen, daß man sie festnähme. Nach einigem Zögern öffneten die SS-Männer die Straßensperre und ließen Bloch und seine Leute ziehen. "Später versicherte Bloch den orthodoxen Juden, daß alles in Ordnung sei.

Er erzählte ihnen, daß wir beide, er und ich, jüdische Vorfahren hätten und ihnen helfen würden", berichtet Blochs ehemaliger Kamerad.

1943 meldete sich Bloch freiwillig an die russische Front. Dort kommandierte er ein Jahr lang ein Regiment, bis er wegen seiner jüdischen Abstammung entlassen wurde, obwohl Hitler ihn längst zum "Arier" gemacht hatte. Gegen Ende des Krieges scherten sich die NS-Behörden plötzlich nicht mehr um seine jüdische Herkunft und zogen ihn zum Volkssturm ein. Einige Wochen vor Kriegsende fiel Bloch im Kampf gegen die vorrückende Rote Armee.

Ernst Bloch, nicht identisch mit dem namhaften Philosophen, ist der einzige hier portraitierte Wehrmachtsangehörige jüdischer Herkunft, dessen wahrer Name genannt wird. In den anderen vier Fällen folgen wir dem Wunsch der Portraitierten oder ihrer Angehörigen, nur unter Pseudonym zu erscheinen.D.Z.