Wer drin ist, ist in. Also klemmt sich ein Profi wie der Plattenmillionär Dieter Bohlen hinter den Stargast Heiner Lauterbach und kommt so in das Zelt, in das Alexandra Freifrau von Rehlingen ihn nicht eingeladen hatte. Wer den Sprung auf die 700 Personen starke Gästeliste - adelig, reich, schön, am besten alles auf einmal - nicht geschafft hatte, tat schmallippig kund, er käme vielleicht später kurz vorbei.

Giorgio Armani hielt hof in Hamburg. Der Modeschöpfer hatte der Stadt auf seine alten Tage endlich einen Laden gegönnt: ein Ereignis, das in der Hansestadt als gesellschaftlicher Höhepunkt des Jahres gehandelt wurde. Festleitung: Alexandra von Rehlingen, eine der agilsten PR-Agentinnen westlich der Wolga und als solche selber eine VIP. Ausgerechnet an diesem Abend schwer vergrippt, stand sie dennoch, schwarz gewandete Disziplin in Person, für ihren Spitzenkunden Armani kerzengerade und machte die Honneurs. "Nicht küssen", sagte sie unentwegt schließlich kennt sie 99 Prozent der Leute auf ihrer Gästeliste persönlich, mit schätzungsweise 98 Prozent ist sie per du.

Nicht küssen - eine ungewöhnliche Bitte in einem Gewerbe, in dem der Neuling als erstes lernt, daß die freundlich ausgestreckte Hand geflissentlich übersehen wird. Zum PR-Geschäft gehört der Kuß wie das den Bizeps bloßlegende T-Shirt zu Armani. Der "sympathische Edel-Italiener" (Gala-Leser wissen mehr) ließ seine reich bestickten neuen Transparenzkleider, die man "ja nur in den Emiraten" tragen könne, wie wir erschrocken aufschnappten, von minderjährigen Hanseatinnen vorführen. Die Zeitungen berichteten von "frenetischem" Beifall sowie Standing ovations, die uns entgangen sein müssen.

"Wir hatten eine tolle Presse", durfte Alexandra von Rehlingen, von Freunden Alex gerufen, hinterher sagen, "Giorgio war begeistert!"

Das ist die Hauptsache. Stimmt die Presse, hat die PR-Frau ihre Hausaufgaben gemacht. Ihr Kunde will schließlich verkaufen, muß folglich ständig das Image polieren und im Gerede bleiben. Dafür sorgt die PR-Agentur. "Wir sind das Bindeglied zwischen ihm und den Medien", sagt Rehlingen.

Wer es sich als PR-Kraft mit letzteren verdirbt, kann gleich einpacken.

Um die Presse ("Hallo, ihr Süßen!") bei Fuß und Laune zu halten, muß man schon was bieten. Der Schauspieler Lauterbach, zur Zeit eh in aller Munde, war da erste Wahl als Lockvogel. Spontan hatte er sein robustes Schuhwerk mit einem Eins-a-Armani-Anzug kombiniert, frisch von der Stange, eine Dauerleihgabe sozusagen. "Den haben wir ihm gegeben", teilt Alexandra von Rehlingen mit - ein ganz normaler Brauch der Prominentenpflege.