Secondhand- oder Aufgußfilm nannte man das früher. Konflikte, Situationen, Figuren aus Klassikern des amerikanischen oder französischen Kinos wurden auf Vergleichbares hierzulande übertragen, ohne Rücksicht auf Plausibilität und Sinn. Hans W. Geissendörfer machte das in den siebziger Jahren fürs deutsche Fernsehen: Don Carlos als Western Stadt-Gangster a la Melville in der bayerischen Provinz.

Roland Suso Richter plündert nun das gute, alte Gefängnisdrama von Edward Dmytryk ("Seven Miles from Alcatraz") und Don Siegel ("Riot in Cell Block 11"/"Escape from Alcatraz") bis Jules Dassin ("Brute Force"), von Tom Gries ("The Glass House") und Robert Aldrich ("The Longest Yard") bis Stuart Rosenberg ("Cool Hand Luke", "Brubaker") - und macht daraus eine halbherzige survival story. Ein koksender Yuppie-Anwalt (Kai Wiesinger) muß für 14 Tage ins Gefängnis: offizielle Buße für seine Weigerung, die Strafzettel der letzten drei Jahre zu bezahlen. Im Grunde jedoch denkt er bei der Aktion nur daran, in den Medien kostenlos für seine Kanzlei zu werben.

Aber dann wird er reingelegt und verraten, allein gelassen und vergessen. Als am letzten Tag der Haft Polizisten seine Zelle durchsuchen, finden sie einige Kilo Kokain. So wird er erneut verhaftet, vor Gericht gestellt und zu zwei weiteren Jahren verurteilt.

Der trickreiche Werbegag wird zur erniedrigenden Tortur.

Richters schlichte Weisheiten: 1. Hochmut kommt vor den Fall (Exposition).

2. Wenn einer nur will, kann er jedermann trotzen und alles erreichen (Konflikt). 3. Ehrlich währt am längsten (Auflösung). In der Märchenwelt dieses Films gibt es nur harte Farben und scharfe Kontraste.

Einer, der im Himmel tanzt, muß runter in die Hölle, um am Ende auf der Erde bestehen zu können.