Wann ist der Mensch tot? Unter welchen Voraussetzungen dürfen Ärzte einem Menschen Organe entnehmen? Wenn der Bundestag in den nächsten Wochen über das neue Transplantationsgesetz debattieren wird, dann geht es um Grundfragen von existentieller Bedeutung.

Der Fraktionszwang im Bundestag wird aufgehoben, die Abgeordneten sollen nur nach ihrem Gewissen entscheiden. Denn das neue Recht greift tief ein in die Schicksale der Spender wie der Empfänger von Organen.

Das Leben von Tausenden von Menschen haben Transplantationsmediziner bereits verlängert und entscheidend verbessert: Weltweit verpflanzten sie mehr als 300 000 Nieren, 25 000 Herzen, 25 000 Lebern, 5000 Bauchspeicheldrüsen und 3000 Lungen. Mit dem steigenden Bedarf an Organen konnte die Zahl der Organspenden bei weitem nicht Schritt halten. Diese oft tödliche Kluft hat sich in Deutschland in den vergangenen Jahren noch weiter vertieft. Transplantationsmediziner führen dies unter anderem auf die neu entflammte Diskussion über den Hirntod zurück: Erst wenn Ärzte bei einem Menschen den Hirntod diagnostizieren, dürfen sie seinem Körper Organe entnehmen.

Ob die Debatte über den Hirntod den Mangel an Organen tatsächlich verschärft hat, erscheint mir zweifelhaft. Unbestritten ist jedoch: Der Fall des "Erlanger Babys", das im Körper seiner hirntoten Mutter heranwachsen sollte, hat herrschende Positionen deutlich erschüttert. Daß der irreversible Verlust aller meßbaren Hirnfunktionen gleichgesetzt wird mit dem Tod des Menschen, was ja erst die Entnahme "lebensfrischer" Organe bei "Toten" ermöglicht, das stößt zunehmend auf Einwände.

Bedenken hegen Vertreter ganz unterschiedlicher gesellschaftlicher Gruppen wie der Kölner Erzbischof Kardinal Meisner und der evangelische Bischof von Berlin-Brandenburg Huber, Bundesjustizminister Schmidt-Jortzig (FDP), die gesundheitspolitische Sprecherin der Bündnis-Grünen Monika Knoche, Unionsabgeordnete wie Eckart von Klaeden und Norbert Geis sowie knapp hundert Sozialdemokraten um Herta Däubler-Gmelin.

Sie alle warnen davor, im geplanten Transplantationsgesetz eine Definition des Todes im Sinne der Hirntodkonzeption zu verankern.

Im Unterschied zu ihnen hält eine Abgeordnetengruppe um die Gesundheitspolitiker Horst Seehofer (CSU), Rudolf Dreßler (SPD) und Dieter Thomae (FDP) an der Gleichsetzung von Hirntod und Tod des Menschen fest. Sie finden dabei die Unterstützung von Transplantationschirurgen und berufen sich auf eine gemeinsame Erklärung der beiden großen christlichen Kirchen aus dem Jahr 1990.