Was tun, wenn einen der Regen überrascht? Schnell zum nächsten Schutzdach eilen oder sich gemächlich dorthin begeben? Wer rennt, läuft regelrecht in die Regentropfen hinein. Wer langsam geht, den treffen pro Zeiteinheit zwar weniger Tropfen. Dafür ist er aber länger dem Regen ausgesetzt. Die meisten hasten intuitiv schnell zum nächsten Unterstand. Aber bleiben sie dadurch trockener?

Die Wissenschaft ist sich da nicht einig.

"Raindrops keep falling on my head", betitelten vier Meteorologen der Universität Reading in der Fachzeitschrift Weather (Bd. 50, S. 367-370) vor eineinhalb Jahren ihre grundlegende Arbeit. Der Einfachheit halber gingen die Engländer von einem quaderförmigen Spaziergänger aus. Den Regen, der den eckigen Modelläufer trifft, unterteilten sie in zwei Portionen: einerseits die Tropfen, die ihn von oben treffen, andererseits jene, die durch seine Bewegung von vorne aufklatschen. Letztere sind bei senkrecht fallendem Regen unabhängig von der Geschwindigkeit immer gleich viele. Denn der Quader durchläuft auf seinem Weg ein bestimmtes Volumen und nimmt, ob langsam oder schnell, alle darin enthaltenen Regentropfen auf. Der Wassereinfall auf der Oberseite hingegen ist um so größer, je länger der gedachte Pappkamerad sich im Regen aufhält.

Die Meteorologen packten diese Überlegungen in Formeln, gestanden dem Quader oben 0,1 und vorne 0,6 Quadratmeter zu und fanden: Ob sich der Schachtelmensch mit drei Metern pro Sekunde vorwärts schiebt oder mit acht Metern pro Sekunde wie ein Weltrekordler flitzt, macht kaum einen Unterschied. Der Sprinter bliebe um wenig mehr als zehn Prozent trockener. Damit bestätigten die Briten ältere italienische Forschungen. Doch sie widersprachen damit naßforsch menschlichem Instinkt.

Deswegen trauten Thomas Peterson und Trevor Wallis vom U. S. National Climatic Data Center in Asheville dem Fazit nicht. Sie rechneten nach und stießen prompt auf einen Fehler (Weather Bd. 52, S. 93-96).

Die Kollegen hatten beim Ausmultiplizieren offensichtlich einen Faktor ihrer Formel vergessen. Außerdem, bemängeln Peterson und Wallis, seien drei Meter pro Sekunde - das sind fast elf Kilometer pro Stunde - kein normales Schrittempo. Sie setzten 1,5 Meter pro Sekunde an. Für das Rennen auf nassem Untergrund in Straßenkleidung halten sie vier Meter pro Sekunde für realistisch. Dann bliebe der eilende Quadermensch um 23 Prozent trockener als der gehende.

Bei dem Unterschied nimmt man gerne die Beine in die Hand.