Nie vergessen wird Andrej den großen Friedenstreff 1987 in Moskau, zu dem ihn sein Vater mitgenommen hatte. Da traf er auf Gregory Peck, Gromyko und Schewardnadse. "Wir frühstückten mit Frisch und Dürrenmatt. Auf dem Weg zur Abschlußveranstaltung trat Marcello Mastroianni mir auf den Fuß und sagte: Scusi. Hinter uns saß Sacharow, neben mir Claudia Cardinale."

Obwohl gerade elf, hat Andrej die Biermann-Affäre sehr bewußt erlebt. "Ich hatte Angst vor einer Mathe-Arbeit, sagte deshalb dem Lehrer, ich sei krank." Vor der Haustür wunderte er sich über die vielen Autos. Seine Mutter benahm sich ungewöhnlich.

"Meine typisch russische Mama, die immer so besorgt um mich war, wenn ich etwas hatte, sagte ungeduldig: ,Ja, ja, schon gut, geh nach oben.`" Andrej hockte sich statt dessen in die Garderobe, und was er durch einen Vorhang beobachtete, schrieb er in ein Oktavheft: "Heym sitzt an der Schreibmaschine, Papa steht hinter ihm." Und: "Christa Wolf geht in die Küche." Seine Mutter hat später vorsichtshalber das Heft verbrannt. "Wäre gar nicht nötig gewesen, die Stasi hat jedes Wort mitgehört. Erst neulich hat jemand auf dem großen Sessel gesessen, und plötzlich machte es: plom, plom - da fielen zwei Wanzen aus dem Sessel."

In der Schule sagte der Klassenälteste zu ihm: "Da hat sich dein Vater aber was geleistet!" Das sei so eine Mischung von Bewunderung und Empörung gewesen. Ein paar aus der achten Klasse pöbelten ihn an: "Ihr Konterrevolutionäre! Haut doch ab!" Andrej: "Ich war immer ein bißchen Außenseiter, das habe ich auch ausgenutzt."

In der vierten Klasse lautete ein Aufsatzthema: "Von der Sowjetunion lernen heißt siegen lernen". Er schrieb: "Wir müssen lernen, was Stalin angerichtet hat, daß er Millionen Kommunisten umgebracht hat, daß das nie wieder passieren darf." Es war das erste Mal, daß er eine Vier bekam.

Damals ging er in eine Schule mit erweitertem Russischunterricht.

Später machte er auf der Ossietzky-Schule sein Abitur, jener Schule, über die wir Korrespondenten immer mal wieder berichteten, wegen ihrer aufmüpfigen Schüler. Doch Andrejs Leidenschaft galt der Musik. Seit seinem siebten Lebensjahr hatte er Klavierunterricht, fand sich aber viel zu schlecht, um sich für ein Musikstudium zu bewerben. Das besorgte jedoch hinter seinem Rücken ein Freund.