Durch den ersten Hof, der noch als Baustelle drapiert ist, wurde ein roter Teppich ausgerollt, der bis hinter das Gartenhaus führt.

Dort sinken die Füße in weiße Kieselsteine, und das, was einst eine Remise war, stellt sich jetzt als weißer zweistöckiger Prachtbau dar, die sechs riesigen Fenster hell erleuchtet. Um das mondäne Bild in die Jetztzeit zu versetzen, erscheint unmittelbar hinter dem Haus der rotweiße ICE, unterwegs in den Westen.

Dies ist Camera Work, die jüngste Galerie in Berlin. Ihr Name erinnert an die Zeitschrift, mit der Alfred Stieglitz zu Beginn des Jahrhunderts die altertümliche "Kunstphotographie" in Amerika populär machte. Tatsächlich versuchen die Galeristen, der Graphiker Christian Diener und der Unternehmer Gert Elfering, die Erinnerung an die Zeit der Magazine zu beleben. In Berlin, argumentieren sie, wurde der Illustriertenjournalismus auf den Weg gebracht.

Die wirklich große Zeit der Photographen begann aber erst mit der Modephotographie nach dem Krieg und brachte ihnen - oder manchen - mit der Erfindung des englischen Rock 'n' Roll Heldenstatus ein.

Vor allem David Bailey, dem die zweite Ausstellung der Galerie gewidmet ist. Mit 59 Jahren ist sein Werk so umfangreich und verstreut, daß man es nur noch in Teilen zusammensuchen kann. Ihm reichte eine Studio-Assistenz als 21jähriger, um technische Sicherheit und stilistische Brillanz zu finden. Er, der aus dem Londoner Eastend stammt, nie eine höhere Schule besucht hat und sich ohne Umschweife zu seiner Legasthenie bekennt, war im Handumdrehen ein gemachter Mann, der sich sein brodelndes London vom Cabrio aus ansah, vor sich die silbern schimmernde Kühlerfigur der Firma Rolls-Royce. So jedenfalls, als jungen Schnösel und gleichzeitig getriebenen Reporter, skizzierte ihn wenig später Michelangelo Antonioni in seinem Film "Blow-Up".

Die Berliner Ausstellung geht zurück bis ins Jahr 1963. Jean Shrimpton ist exakt das Puppenmädchen mit den auf groß geschminkten Augen und dem ein bißchen schiefen Schmollmund, dessen Kleidung glockenförmig und dessen Gedanken nicht zu lesen sind. Bailey zeigt Jean Shrimpton in Zufallsbegegnungen mit abstrusen männlichen Passanten, in einer Hand einen riesigen Teddybär - nicht mehr Vatis Mädchen und noch nicht richtig ausgeflippt. Auch wenn man in solchen Bildern jetzt "die Gesellschaft" sieht und nicht die unverwechselbare Jean, galt damals genau das Gegenteil. Bailey, hieß es, erkenne den individuellen Stil der jungen Frauen und bringe ihn ans Licht.

Nicht viel anders als ein paar Jahrzehnte vor ihm Edgar Degas, beobachtete er die Kellnerinnen und Verkäuferinnen und sah in ihren rasch wechselnden Moden und gestischen Bizarrerien die Zeichen der Zeit. Siebzehn Jahre lang war er bei Vogue unter Vertrag.