Sofia Was Václav Klaus für Tschechien oder Leszek Balcerowicz für Polen gewesen ist, soll nun Iwan Kostow für Bulgarien werden: Motor der Marktwirtschaft. Es ist spät in der postkommunistischen Zeitrechnung - sieben Jahre hat Bulgarien schon an halbherzige Reformen, an Cliquenwirtschaft und organisierte Kriminalität verloren. Dieser Nachlaß der letzten Regierung der Sozialistischen Partei stellt den designierten neuen Regierungschef Iwan Kostow vor eine Aufgabe von dramatischen Dimensionen.

"Es ist wenig von Bulgarien geblieben", sagte Kostow auf einer der letzten Versammlungen vor den Wahlen. "Nichts wird übrigbleiben, alles wird in den Händen des organisierten Verbrechens sein, wenn wir nicht kämpfen." Und spitzte noch zu: "Aus dem Schoß der Sozialistischen Partei Bulgariens ist das organisierte Verbrechen gekommen." Kostow ist kein Volkstribun. Steif steht er hinter dem Pult, nur gelegentlich macht er eine Handbewegung. Seine Stimme, obwohl er frei spricht, ist ohne Höhen und Tiefen, selten zeigt er ein Lächeln. Und trotzdem: Er vermittelt Autorität. Zumindest weiß er den Eindruck von Autorität zu vermitteln.

Gerade weil Kostow populistische Gesten meidet und verabscheut - sie würden ihm sowieso nicht gelingen -, kommt er an. Denn was ihm fehlt, die charismatische Ausstrahlung einer Führungsfigur, kompensiert er mit der Präsenz von Tatsachen und Argumenten. Außerdem faßt er sich kurz, beschränkt sich knapp auf das Wesentliche.

Bei den Demonstrationen im Winter, gelassen schreitend in der Kolonne, brachte er mit seinen trockenen Antworten manchen Reporter in Verlegenheit: "Ja. Wir marschieren weiter bis zum Sieg. Nein.

Einen Konsens mit den Sozialisten kann es nicht mehr geben." Was war da noch zu fragen.

Undramatisch wie sein Stil und sein Auftreten ist seine Biographie.

Iwan Kostow wurde 1949 geboren, sein zufälliger Namensvetter Tritscho Kostow war eine Woche zuvor hingerichtet worden, wegen Trotzkismus und Titoismus im Sommer des nämlichen Jahres war Georgi Dimitrow, der Begründer der kommunistischen Macht in Bulgarien, gestorben.