Mit keinem Mann habe ich so viel gelacht, so viele Flaschen Wein getrunken und in so vielen Bistros gesessen. Niemand hat sich so hemmungslos des Lebens gefreut wie er. Und niemand, der so viel konnte und so viel zu sagen hatte, nahm sich so wenig wichtig. Er tanzte wie ein Kork auf den Wellen des Lebens, sein gellendes Lachen war das Nebelhorn, mit dem er sich vor Kollisionen schützte. Bis jemand den Stöpsel zog. Er war ein Multitalent, Zeichner, Maler Schriftsteller, Dramatiker, Regisseur, Schauspieler, er war Jarrys Enkel und unser aller Bruder, er war der letzte Bohemien; nach ihm kamen die Stadtneurotiker.

Vor über dreißig Jahren lernten wir uns auf dem Experimentalfilm-Festival in Knokke über einer Platte Austern kennen; unsere letzte Begegnung endete vor wenigen Monaten in Paris wie gewohnt fröhlich-chaotisch. Ein Ausschnitt aus den Aufzeichnungen, die ich danach gemacht habe, soll an die heitere Seite seines Wesens erinnern:

. . . Wir biegen nach links in die rue de Charonne, die hier beginnt und ziemlich weit bis zum 12. Arrondissement führt, an die Südseite des Pére Lachaise.

"Ob sie dich dort eines Tages mit großem Pomp beerdigen werden? Neben Cocteau und Sartre?" frage ich Topor. Er zieht eine Grimasse und korrigiert mich: "Sartre liegt auf dem Friedhof von Montparnasse. Und ich lande wahrscheinlich in einem Sack auf dem Müll." Die Vorstellung scheint ihn zu erheitern; er lacht gellend.

Wir wechseln die Straßenseite.

"Hier, Nummer 12, im ,Café de Passage' denkst du nicht an den Friedhof. Es gehört dem Typ vom ,Bistro de Passage', einem Weinfreak." O weia!