DIE ZEIT: In Ihrem Plädoyer für Andreas Baader im Frankfurter Kaufhausbrandstifterprozeß 1969 haben Sie die Richter aufgefordert, ihre Roben auszuziehen und sich der Revolution anzuschließen.

Die Richter haben es nicht getan, aber Sie.

HORST MAHLER: Das war ein sehr widersprüchlicher Prozeß bei mir.

Ich hatte eine bürgerlich ausgestattete Rechtsanwaltskanzlei mit Orientierung zum wirtschaftlichen Mittelstand. Durch die Studentenprozesse bin ich dann in ganz andere Vorstellungen hineingezogen worden.

Gudrun Ensslin prophezeite mir beim Prozeß, daß ich auch einmal die Robe ausziehen und mit der Maschinenpistole in der Hand argumentieren würde.

1969 wollten Sie aber noch Anwalt bleiben?

Ich hatte bestimmt nicht vor, auf ewig Anwalt zu sein. Anwalt ist ein Beruf, der sehr viel Affinität zu politischem Tun hat.