Oracle: Spielchen mit Apple Marzotto: Absage an Fiat Bremer Vulkan: Gerüchte um Käufer – Seite 1

Ob seine oft haarsträubenden Kommentare Strategie oder Spaß seien, wurde Larry Ellison einmal gefragt. Der Chef der Software-Schmiede Oracle lächelte wissend und antwortete: "Beides." Jetzt fragt sich das gesamte Silicon Valley, ob er den angeschlagenen Computerkonzern Apple tatsächlich übernehmen wollte oder das Ganze nur ein Witz war. Denn vergangene Woche teilte Ellison kurz mit: Er sei doch nicht an dem Unternehmen interessiert - zumindest vorerst (siehe ZEIT 18/97).

Für die Zeitung San Jose Mercury News ist die Antwort klar: Die Aktion war der todernste Scherz eines Egomanen. Ellison sei mit einem Vermögen von sechs Milliarden Dollar zwar einer der reichsten Männer der Welt - aber zu seinem Leidwesen bei weitem nicht so bekannt wie sein großer Konkurrent Bill Gates und dessen Unternehmen Microsoft. "Ellison leitet ein Riesenunternehmen, das teure Software an große Unternehmen verkauft", schrieb das Blatt, "aber er leidet darunter, daß kaum jemand versteht, was Oracle eigentlich macht.

Apple bot, was Ellison fehlte: einen identifizierbaren Markennamen, einen Bund mit dem Verbraucher."

Unter ihrem bisherigen Regierungschef John Major hatten die Briten zuletzt die meisten ausländischen Investitionen in ganz Europa angelockt. Allerdings nicht immer zur ungetrübten Freude der Major-Administration: Manche Gäste steckten zwar Subventionen und Steuererleichterungen ein, erwiesen sich aber als reichlich undankbar. So sickerte ausgerechnet am Wahlabend ein erst für später vorgesehenes BBC-Interview durch, in dem BMW-Chef Bernd Pischetsrieder kräftig auf die konservativen Euroskeptiker eindrosch.

Ohne Währungsunion, so Pischetsrieder, würden die britische Industrie und der Finanzplatz London leiden. Der BMW-Chef macht sich Sorgen um seine englische Tochter Rover.

Wenn Majors Nachfolger Tony Blair nicht aufpaßt, könnte es ihm genauso ergehen. Hiroshi Okuda, Chef des größten japanischen Autoherstellers Toyota und bislang ein eifriger Großbritannien-Investor, hatte bereits vor Monaten gegen die Euroskeptiker gewettert. Die haben nun zwar unter Blair weniger zu sagen, doch Okuda beschwerte sich schon wieder: Ein weiteres Toyota-Modell soll offenbar nur in Großbritannien gebaut werden, wenn Blair zusätzliche Subventionen von einigen hundert Millionen Mark lockermacht. Sonst will Toyota ein neues Werk in Frankreich oder Polen errichten.

Finanziers haben zuweilen andere Vorstellungen vom Sinn einer Holding als Unternehmer. Das Platzen der vor acht Wochen vereinbarten Fusion zum größten Textilriesen Europas zeugt wieder einmal davon.

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Graf Pietro Marzotto, Präsident und als Familienchef auch Wortführer der Kapitalmehrheit des wichtigsten italienischen Textilherstellers, hätte den neuen Superkonzern leiten sollen. Darin wären die Erzeugnisse seines Traditionsunternehmens, die der von Marzotto übernommenen Marken Hugo Boss und Fila, die Produkte der GFT Gruppo Finanziario Tessile (Armani, Ungaro) sowie der Holding Gemina zusammengekommen.

Auf dem Papier war der Aktientausch leicht festzulegen. Fiat, die Familie Marzotto und Mediobanca wären die drei größte Aktionäre gewesen. Graf Marzotto und seiner Familie war die Sache nun wohl doch zu groß. Jetzt bleibt jeder Schuster bei seinem Leisten.

"Schade, Italiens Mode hätte gemeinsam in aller Welt auftreten können", resümiert Modeschöpfer Valentino.

Das Salz in der Suppe für jeden richtigen Aktienspekulanten sind Gerüchte, die Kurse auf Achterbahnfahrten schicken - so wie den vom Bremer Vulkan. Zeitungsmeldungen, ein namhaftes Unternehmen sei an der Übernahme des maroden Schiffbauers interessiert, trieben den Kurs in der vergangenen Woche von knapp einer Mark auf mehr als neun Mark. Nun ist das Rätselraten groß, ob es so einen Interessenten wirklich gibt. Zum Konkursverwalter Jobst Wellensick hat er, das jedenfalls behauptet dieser, noch keinen Kontakt aufgenommen.

Aber Finanzsenator Ulrich Nölle bleibt dabei, es gebe den Interessenten.

Nur den Namen will er nicht preisgeben.

Das einzig Attraktive am Bremer Traditionsunternehmen ist der Verlustvortrag von drei Milliarden Mark. Doch ganz so einfach ist der nicht zu haben. Steuerlich anerkannt wird ein Verlustvortrag beim Übergang einer Firma nur dann, wenn ein Viertel der Gesellschafter unverändert bleibt. Allein das nachzuweisen aber dürfte einem möglichen Käufer sehr schwer fallen. Denn bis zu seinem Untergang rankten sich die wildesten Gerüchte darum, wem der Vulkan tatsächlich gehört. Wirkliche Aufklärung darüber gibt es bis heute nicht.