Es waren einst vier Kinostars, die fraßen sich zu Tode. Marcello Mastroianni, Ugo Tognazzi, Philippe Noiret und Michel Piccoli schaufelten Austernberge und Schlachtplatten, Pasta, Püree und Pudding in sich hinein, rülpsten, hurten und furzten, bis sie erstickten, am guten Geschmack und am eigenen Kot. Andrea Ferreol kondolierte dazu, als halbnackte Pieta mit großen Brüsten und weichem, weißem Fleisch. Das war den Film-Gourmets zu unappetitlich, damals in Cannes 1973, und deshalb provozierte Marco Ferreri mit "Das große Fressen" einen Skandal und seinen einzigen Kassenerfolg.

Seitdem galt der Italiener, der sein Handwerk bei den Neorealisten und in Francos Spanien lernte, als das Ekel unter den Autorenfilmern, als verzweifelter Rebell, in dessen Zorn auf die Zivilisation sich dennoch eine Prise zärtliche Wehmut mischte. Ferreris bitterböse Satiren - "Dillinger ist tot" (1968), "Affentraum" (1978) oder "Die Geschichte der Piera" (1982) - sind Henkersmahlzeiten fürs untergehende Abendland, exzentrische Abgesänge auf den monströsen Charme der Bourgeoisie, auf die kalte Gier nach Sex und Konsum und auf das Schlachtfeld Familie, kurz: auf das Tier in uns allen samt seinen niederen Körperfunktionen. "Kino ist vollkommen unnütz.

Ich hasse mich, weil ich fortfahre mit dieser nutzlosen Arbeit", hat er einmal gesagt und mehr als zwei Dutzend Filme gedreht.

Die irrsinnige Hoffnung, die darin steckt, hat er zum Glück nie ganz verbergen können. Am vergangenen Freitag ist Marco Ferreri in Paris gestorben, zwei Tage vor seinem 69. Geburtstag.