Die grünen Frauen brachten neuen Schwung und neue Erkenntnisse in die parlamentarische Debatte - aus der Frauenbewegung, die das Thema Gewalt gegen Frauen enttabuisiert hatte, aus den Frauenhäusern, die sogleich beunruhigend starken Zulauf hatten, und zwar aus allen Schichten der Bevölkerung.

Als Ende der achtziger Jahre parallel der Kampf um den Paragraphen 218 tobte - auch hier ging und geht es im Kern um den weiblichen Anspruch auf Selbstbestimmung -, fuhren die konservativen Eheund Lebensschützer ein weiteres Böllergeschütz auf: Weil Abtreibung nach einer Vergewaltigung erlaubt sei, könnten Ehefrauen einen reformierten Paragraphen 177 mißbrauchen, Abtreibungszahlen würden steigen.

Das Thema besitzt hohe Symbolkraft. Nur so sind der lange Kampf der Reformgegner und deren irrationale Argumente zu verstehen. Was hat sich nicht alles geändert im Verhältnis der Geschlechter! Gleichberechtigung und Autonomie bestimmen das Recht und zunehmend auch den schwierigen Alltag. Das Patriarchat wankt. Im so ausdauernd und heftig verteidigten Recht, die eheliche Vergewaltigung mehr oder weniger zu tolerieren, drückt sich noch die alte Herrschaftsordnung aus. Vorbei. Die letzte Bastion fällt.