Wie aber ist beides zu verbinden? Dies führt Tönnies auf die Suche nach einer Haltung, die Ambivalenzen zuläßt zwischen zwei "Rationalitätstypen", dem friedlichen und dem kriegerischen. Hier freilich gerät der polemische Impetus ins Stottern, denn beide, so Tönnies, seien moralisch "polar", und das heißt unvereinbar. Was nun? Flickwerk tritt an die Stelle politischer Pragmatik. Für den Pazifismus, der sich doch selbstbewußt und attraktiv zum "rationalen Pazifismus" mausern soll, verlangt die Autorin "geschützte Nischen" die Gewaltfrage hingegen möchte sie auf "Polizeiaktionen" beschränkt wissen.

Beides ist nicht schlechthin falsch, aber leider entschieden zu wenig. Der Pazifismus muß raus aus einer politischen Nischenexistenz.

Dazu verurteilt ihn aber - je länger, desto drastischer - jener pazifistische Affekt, der das kriegerische Geschehen für prinzipiell unkontrollierbar hält und damit einer Beschäftigung mit dem - horribile dictu - Kriegshandwerk ausweicht. Sibylle Tönnies tut hier genau das, was sie den "Bellizisten" vorwirft. Sie eilt der Wirklichkeit voraus und vernachlässigt damit, was ebenso wie eine "Weltpolizei" der Vereinten Nationen dringender Reglementierung und strafbewehrter Kontrolle bedürfte: die Wiedererlangung und Bekräftigung der Fähigkeit, den Krieg zu zähmen. Indem sie sich dieser Anforderung verweigert, bleibt ihr fulminantes Plädoyer für den Pazifismus unvollständig.