Auf einer verkehrsberuhigten Straße im reichsten Stadtteil Teherans salutiert eine Ehrenwache mit weißen Handschuhen vor einer Gruppe schwarzverhüllter Frauen. Die Frauen huschen in ein Gebäude, das einst dem Schah als Gästehaus diente.

Hier drinnen, inmitten eines luxuriös gestalteten Interieurs, legen sie ihre bodenlangen Tschadors ab. Der Tschador ist mehr als alles andere zum Symbol für die Revolution von 1979 geworden.

Die Revolution hat den Iran umgekrempelt und die Frauen in eine Existenz der Unsichtbarkeit zurückgescheucht. Der Tschador verhüllt die Frauen bis auf ihr Gesicht. Als diese Frauen ihn jetzt ablegen, sieht man sie in großer Aufmachung - Frisuren, gestylt mit Haarlack.

Perfektes Make-up. Eine trägt ein schwarzes, tief ausgeschnittenes Taft-Cocktailkleid mit einer Schleife an der Schulter. Eine andere ein figurbetontes Kostüm in Zebraoptik. Ihre Gastgeberin ist Fatimeh Haschemi, die 36jährige Tochter des iranischen Präsidenten Ali Akbar Rafsandschani.

Fatimeh Haschemi leitet eine dem Außenministerium angegliederte Frauenorganisation. Außerdem steht sie einer Stiftung für die Bekämpfung besonderer Krankheiten vor und einer High-Tech-Klinik für Nierenpatienten südlich von Teheran. Trotz dieser Aktivitäten wissen nur wenige Menschen in Teheran, wie Fatimeh Haschemi wirklich aussieht. Diese Abendveranstaltung ist nur für Frauen gedacht.

So kann sich Fatimeh von ihrem Tschador befreien, von ihrem Kopftuch und dem Mantel. Sie steht da in einem tadellos sitzenden Kostüm a la Chanel in Limone und Weiß, in hautfarbenen Strümpfen und Pumps, sie trägt eine einreihige Perlenkette und wirkt, nun ja, modern.

Fatimeh ist eine charmante und kontaktfreudige Frau. Mit achtzehn wurde sie von ihren Eltern verheiratet, sie ist Mutter von zwei Kindern. Darüber hinaus gehört sie zu einer kleinen ausgewählten Gruppe von Frauen, die dem Regime eng verbunden sind, loyale Töchter der Revolution also, die in das schwer zu durchschauende, sich ständig verändernde Labyrinth iranischer Politik eingedrungen sind, um sich behutsam für Veränderungen einzusetzen.