Das neue Clubschiff "Aida" kommt bei den Kunden an, fährt aber trotzdem Verluste ein. Deshalb suchen die "Aida"-Eigner den Schulterschluß mit einer großen Kreuzfahrtreederei. Außerdem sollen die "Aida" und die "Arkona" künftig unter ausländischer Flagge fahren.

Mit dem roten Kußmund auf dem Bug voran kreuzt das Clubschiff Aida durch die Weltmeere. Das Konzept für die Kreuzfahrt ohne Zwang und Etikette scheint aufzugehen: Das Aida-Publikum ist vergleichsweise jung und hat bisher vor allem an Land Urlaub gemacht. Nur jeder sechste Aida-Gast unternahm zuvor schon einmal eine Seereise.

Obwohl sich die Buchungszahlen für das Schiff der Deutschen Seereederei (DSR) aus Rostock sehen lassen können, läßt sich die Aida bisher nicht rentabel betreiben. Auch die Vermarktung kostet viel Geld: Für den Verkauf der Aida-Kabinen wurde ein eigener Veranstalter (Arkona Reisen) aus dem Boden gestampft.

Nun handelt die DSR: Die Aida und das zweite Schiff, der Traditionskreuzer MS Arkona, der seit Jahren für den Veranstalter Seetours fährt, werden ausgeflaggt. Auf beiden Schiffen kann somit künftig Personal zu geringeren Löhnen eingestellt werden. Andere deutsche Kreuzfahrtschiffe, so argumentiert man bei der DSR, führen von jeher unter ausländischer Flagge - ohne Qualitätsverlust.

Gleichzeitig versuchen die Aida-Macher höhere Preise für den Clubschiffurlaub durchzusetzen. In der ersten Saison zahlten die Gäste pro Tag durchschnittlich nur 250 Mark. Die Aida-Planer hatten allzu optimistisch mit einem Umsatz von 350 Mark pro Tag und Person gerechnet. Viele Passagiere mußte man sich deshalb in der ersten Saison mit kräftigen Rabatten und Spezialtarifen für Reisebüromitarbeiter "einkaufen", räumt der Vertriebsgeschäftsführer Richard Vogel ein. Im kommenden Sommer kostet der Urlaub auf der Aida nun im Schnitt 292 Mark pro Tag. Vogel: "Mehr ist nicht durchsetzbar." Wer traditionelle Landurlauber auf ein Schiff locken möchte, müsse moderate Preise kalkulieren.

Um den Verkauf anzukurbeln und die Kosten weiter zu senken, suchen die Aida-Macher die Zusammenarbeit mit anderen Reedereien. Derzeit wird beispielsweise mit der skandinavischen Norwegian Cruise Line (SS Norway) verhandelt. Die Palette der möglichen Kooperationen reicht dabei von einer reinen Marketingzusammenarbeit bis zu einem Verkauf von Unternehmensanteilen.

Noch im Sommer soll der Pakt geschlossen werden.