Lieber Stefan Aust,

Dein 1985 veröffentlichtes Buch "Der Baader-Meinhof-Komplex" gilt als die Chronik der Rote-Armee-Fraktion. Wie kommt es, daß Du jetzt als Chefredakteur des Spiegels gegen den Chronisten Stefan Aust antrittst? Du läßt im Spiegel vom 19. 05. 97 Peter Homann "ein wahres deutsches Märchen" erzählen.

Peter Homann war dabei, damals, in dem jordanischen Palästinenserlager, wo wir uns für den "bewaffneten Kampf in den Metropolen" ausbilden lassen wollten. Aber er wollte den "Wahnsinn" der Gruppe nicht mitmachen, schreibt Homann jetzt im Spiegel. Bereits nach zehn Tagen lebte er getrennt von den anderen Deutschen, von uns: "Er hat nie wieder mit ihnen geredet."

Aber mit Dir. In Deinem Buch "trug der Wind Wortfetzen aus den Gesprächen der anderen herüber. Er [nämlich Peter Homann] hörte etwas von einem ,Volksprozeß' und von einem kurzen Prozeß, den Baader vorschlug, der als Schießunfall getarnt werden könnte." Doch das meiste ging "im Gekläff der Hunde" unter.

1997 im Spiegel ist aus dem "Wind" der "transjordanische Wüstenwind" geworden, und auch das Lied, das er dem "abseits" lebenden Homann erzählt, hat erheblich an Farbe gewonnen: Gleich ein "Volksgerichtshof" tagte unter Vorsitz Mahler, fällte das Todesurteil über Homann, und zur "Stärkung der Solidarität" sollten - ein Vorschlag Baaders - die Gruppenmitglieder den Angeklagten gemeinsam erschießen.

Woher weiß Homann das? Haben die Hunde da zufällig nicht gekläfft? Wurden Akten angelegt bei diesem "Volksgericht im Wüstensand"? Daß ein "Volksgerichtshof" - und der auch noch unter meiner Leitung - zusammengetreten wäre, um die Ermordung Peter Homanns zu beschließen, ist ein Homannsches Märchen. Es gab nichts, was wir ihm in einem Prozeß hätten vorwerfen können, da er keinen Verrat begangen hatte. Allerdings befürchteten wir, daß er es tun werde.