Nein, es mache ihm überhaupt nichts aus, erst einmal ins Hinterhaus zu ziehen, und ein Zimmer reiche auch völlig für ihn und seine Frau - wenn die Residenz des Premierministers denn unbedingt renoviert werden müsse.

Delhis politische Klasse schluckt. So einen Regierungschef wie Inder Kumar Gujral, der sich überhaupt nicht wichtig zu nehmen scheint, hat Indien noch nie gehabt. Zu seiner Vereidigung erschien er, "o Graus", jaulte die gesamte Presse, "im Safari-Anzug!" Und eben nicht in gestärkten weißen Tüchern, die sich eingebürgert hatten, um dem Volk zu gefallen. Bei näherer Besichtigung erwies sich das beanstandete Kleidungsstück im übrigen als ein keineswegs neuer Sommeranzug mit Nehru-Kragen. Auf internationalen Konferenzen tritt Gujral, wie er es immer schon tat, in Schlips und Kragen auf. Die öligen Hofschranzen, die wichtig jede hochgestellte Persönlichkeit in Delhi umlagern, sind ihm ein Graus. Seine Leute sitzen da, wo sich tagaus, tagein die Intellektuellen zum Plausch treffen, im abgenutzten India International Centre - und in den think tanks der großen wissenschaftlichen Institute. Daß seine Haustür aus Sicherheitsgründen dem großen Freundeskreis nicht mehr weit offen stehen darf, schmerzt ihn ebenso wie die Tatsache, die Montagsdiskussion im Internationalen Zentrum nun missen zu müssen.

900 Millionen Inder werden seit April von einem Premier regiert, wie sie ihn bislang nicht kannten: I. K. Gujral ist unprätentiös, stets zum Understatement neigend, ungeschwätzig. Der professorale Gujral ist kein Volkstribun, er liebt die leisen Töne, und stets hat er dieses kleine Blinzeln in den Augenwinkeln, von dem man nie weiß, ob es gutmütigen Humor oder beißenden Spott signalisiert.

Sein Leben lang war er Diplomat und Politiker, dennoch werden dem 77jährigen Gentleman Feinde nicht nachgesagt. Seine Freunde gehören nicht der eigenen Janata-Dal-Partei an, und er selbst ist nicht Mitglied einer Kasten-Clique oder Teil der Machtmaschine.

Gujral ist seit Nehru der erste Weltbürger im Amt des Regierungschefs, ein durch und durch integrer, anständiger Mensch. Bessere Voraussetzungen kann es eigentlich nicht geben.

Es fehle ihm aber die Machtbasis, nörgeln seine Kritiker und prophezeien ihm eine Amtsdauer, so kurz wie die seines Vorgängers Deve Gowda.

Der wurde nach elf Monaten gestürzt, weil der Chef der Congress-Partei, die Gowdas Minderheitenkoalition stillschweigend unterstützte, selbst Premier werden wollte. Auch Gujral ist abhängig vom Congress.