Die Lebensmittelbranche ist ein Milliardengeschäft, das sich wenige Konzerne teilen. Je mehr diese Firmen von Qualität reden, um so genauer sollte man hinhören. Es geht um die Qualität der Gewinne, und wie so was funktioniert, haben Ingrid Reinbecke und Petra Thorbrietz, die Autorinnen von "Lügen, Lobbies, Lebensmittel", akribisch recherchiert.

Das Buch ist ein Wirtschaftskrimi. Mit der Lektüre könnte man den Eindruck gewinnen, daß die EU womöglich eigens für Subventionsbetrug und Lebensmittelschieberei gegründet wurde. Jedenfalls nützen die Konzerne grenzübergreifend die dehnbaren Rechtsbegriffe schamlos aus. Die aufgeblähte Gesetzgebung setzt dem nichts entgegen: Alles rutscht und glitscht, wie beim beherzten Biß in den Big Mäc, den kleinsten gemeinsamen Nenner industrialisierter Ernährung.

Man erfährt, daß achtzig Prozent unserer Nahrung von der Industrie gesteuert werden. Verbraucherwünsche nach Geschmack oder Vitaminen sind für diese Leute allenfalls Hirngespinste argloser Konsumenten.

Die Industrie interessiert sich für Normen, welche die Rentabilität sichern. Die Branche liefert dazu die Nostalgiewerbung vom "Weideglück", damit wir Milch kaufen, oder bemüht den "Wiesenhof", damit uns Hähnchen aus der Tiefkühltruhe ansprechen, die doch nie einen grünen Halm gesehen haben.

Wir erfahren von industriellen Hexenküchen. So kamen japanische Chemiker aus Tokio auf die Idee, aus Klärschlamm Eßbares zu produzieren: "Sie entwickelten aus dem natürlichsten aller Abfälle, aus Fäkalien, eine proteinreiche Kreation, die in Textur, Geruch und Geschmack dem Rindfleisch sehr ähnlich ist. Sogar ein Metzger hielt das Produkt für Fleisch." Kein Wunder, daß viele in den Vegetarismus getrieben werden, noch dazu, wenn von Ausfuhrschwindel berichtet wird, in dem Tiere tagelang mit Transporten gequält werden. "Allein für Viehexporte kassierten europäische Unternehmen in den vergangenen sechs Jahren rund 85 Millionen Mark an unberechtigten Ausfuhrerstattungen.

Fast 98 Prozent gingen auf das Konto deutscher Fleischfirmen - vorwiegend aus Bayern."

In einem kurzgefaßten Infoteil liest man über die Problematik bestrahlter und gentechnisch manipulierter Lebensmittel (". . . bereits heute entstehen etwa 40 Prozent aller auf dem Markt befindlichen Lebensmittel unter Einsatz gentechnisch manipulierter Enzyme, Stärken, Vitamine und Zusatzstoffe"). Mit diesen Informationen ist man vorzüglich munitioniert, um sich dem allerorten angepriesenen Industriefraß zu verweigern.