In einer funktionierenden Beziehung müssen die Partner nicht immer nur reden. Kleine Signale von Vertrautheit, im rechten Moment gesetzt, können Gespräche durchaus ersetzen. Zumal unter Männern, die wissen, daß sie am Ziel sind. Männer, die am Rande des Großen Preises von Spanien in der heiligen Box von Ferrari zusammenstehen, ihre Blicke schweigend auf den F 310 B gerichtet: Ein Formel-1-Bolide, 10 Zylinder, rund 740 PS, dank eines elektronischen Antiblockiersystems von 340 km/h auf 100 in gut 2 Sekunden. Noch ist der F 310 hochgebockt.

"Der Michel", wie er ihn nennt, hat bereits die rote feuerfeste Arbeitskleidung übergezogen. Das Gesicht liegt frei, es ist braun und ernst. Die Papiertaschentücher in Michels zierlichen Rennfahrerhänden deuten auf eine Erkältung. Möglicherweise Folge des Regens beim Großen Preis in Monte Carlo. Natürlich ist Wilhelm Friedrich ("Willi") Weber dieses Handicap nicht entgangen. Doch Weber - "Ich bin ein echter Racer" - ist einfach zu lange im Geschäft.

Lässig klinkt er seine langen Arme in einen Gitterrohrrahmen an der Boxendecke, der, mit Halogenlampen bestückt, über Schumachers geparktem Rennwagen schwebt. Einem Herkules gleich, verharrt er in dieser Position, während unter ihm Mechanikerhände über doppelte Bremsscheiben fahren und Michel noch ein Taschentuch nimmt. Kein Wort, nur dieses angedeutete Lächeln, das Weber mit auf den Weg gibt, als sich der Rennfahrer den Helm über den Kopf zieht und den Anlasser drückt.

Seit gut acht Jahren sind sie Partner. Michael Schumacher und Willi Weber, der eine fürs Fahren zuständig, der andere "für die globale Rundumbetreuung", wie der Manager sein Aufgabenfeld umreißt. Sein Wirken ende erst an der Schlafzimmertür. "Gelegentlich habe ich dafür gesorgt, daß sie sich auch rechtzeitig schließt", hat er einmal erzählt. Aber das war früher.

Viel ist geschehen. Sein Mann wurde als zweifacher Formel-1-Weltmeister unsterblich, Weber wurde zwischenzeitlich 55 und ist so wichtig wie nie. Er leitet das Unternehmen Schumacher, 25 Leute, inklusive Piloten und Pressesprecher. Rund 100 Millionen Mark Umsatz mit Fanartikeln aus der "Michael Schumacher Kollektion" ist in diesem Jahr eine realistische Größe, da muß man erst mal hinkommen. Demnächst wird, in Kooperation mit Dr. Oetker, "Schumis Lieblingseis" lanciert sowie ein Blutdruckmesser in Ferrari-Rot, "mißt in Nullkommanix". Alles Webers Werk.

Wer auch immer aus der Wirtschaft Kontakt zu Michael Schumacher sucht, kommt an Weber und seinem "Office" in Stuttgart-Degerloch nicht vorbei. Wenn überhaupt etwas zu machen ist. Denn was nämlich den Michel angehe, bemerkt der Manager, "da sind wir längst komplett".