KÖLN. - Für die Kölner steht das Himmelstor offen. Das glauben zumindest sie selbst. Denn der rheinischen Volksfrömmigkeit liegt ein sehr wohlwollendes Gottesbild zugrunde. Der Kölner Gott ist ein gnädiger Gott. So vertrauen die Kölner darauf, daß sie ihr Heil nicht allzu schwer verdienen müssen, sondern als Geschenk von oben nur anzunehmen brauchen. Dies mag eine sehr kindliche Gottesvorstellung sein, aber sie erklärt die Leichtigkeit, mit der die Kölner, und zwar nicht nur die jecken, das Leben zu genießen verstehen.

Gleichzeitig sind viele Kölner aber auch stolz auf ihr Bistum und ihren Erzbischof, mag er nun Frings oder Höffner geheißen haben oder Meisner heißen, und die lange Tradition, die die katholische Kirche in der Domstadt am Rhein hat. Mit rheinischem Übermut und mehr von den eigenen Gefühlen als durch ein festgelegtes Konzept geleitet, haben drei Kölner jetzt ein Photobuch unter dem Titel "Das Kölner Heil" im Schaden Verlag veröffentlicht.

Für knapp 50 Mark ist der aufwendig aus hochwertigen Schwarzweißphotographien gestaltete Band zu haben. 45 eindrucksvolle Photographien des 36jährigen Bernd Arnold zeigen, wie die Kirche die Stadt Köln prägt. Sie geben ganz verschiedene Augenblicke aus wichtigen kirchlichen Ereignissen der Jahre 1986-96 wieder. Die meisten Bilder wurden auf den Fronleichnamsprozessionen 1986, 1987 und 1996 in der Innenstadt, bei der Einführungszeremonie des neuen Erzbischofs Joachim Kardinal Meisner (1989) und bei einer Schiffsprozession auf dem Rhein aufgenommen. Man sieht predigende Hände, die, im Lichtschein gestikulierend, aus der Kanzel herausragen, einen Arm, der mit schweifendem Ärmel und schwerem Ring am Finger aus dem Fenster einer dunklen Limousine heraushängt und eher an den eines Mafiabosses als an den Arm des Erzbischofs erinnert, Kardinal Höffner auf seinem Totenbett aufgebahrt, umgeben von Kerzen und Blumen, eine Reihe von Politikern samt dem Bundeskanzler, die mit unterschiedlichen Mienen an einem Gottesdienst im Dom teilnehmen ...

All diese Bilder lösen viele Fragen über die religiöse Identität der Stadt Köln, aber auch über die Rolle der Kirche in der Zeit vor dem Millennium aus: Sind die Gläubigen nur mitgerissen von einer prunkvollen Inszenierung im Altarraum, oder sind sie wirklich geleitet von der Suche nach dem Heil, einer "Erlösung der Seele vom Zustande der Sünde"? Der Photograph stellt die Kirche mal in ein negatives Licht, mit ihrem Reichtum, den hierarchischen Machtstrukturen ihrer Ämter und ihren Ritualien dann zeigt er sie aber auch als etwas Lebendiges, Menschenbewegendes. Insgesamt macht das Werk den Eindruck, als ob Photograph und Herausgeber selbst kein festes Kirchenbild vor Augen haben. So greift das Buch eine Vielzahl verschiedener Themen auf, berührt kritische Punkte, aber läßt am Ende die meisten Fragen, die es auslöst, unbeantwortet. Zudem: Die Photographien stehen weder in einer chronologischen Reihenfolge noch in einem anderen tieferen inhaltlichen Zusammenhang. Die Autoren haben auf Seitenzahlen und Bilderklärungen verzichtet, die dem Leser helfen könnten, das Buch besser zu verstehen. So ist dieser erstmal auf sich allein gestellt bei dem Versuch, einen inneren Zusammenhang unter den Bildern zu entdecken. Es mag ja sein, daß der Autor dies als besondere intellektuelle Herausforderung für den Leser vorgesehen hat.

Ein jedes Bild wirkt inhaltlich selbständig und losgelöst von dem darauffolgenden. Scheinbar bewußt erhält das Werk dadurch wieder eine gewisse Auflockerung, die dem schweren theologischen Thema "Heil" entgegenwirkt. Die Heilsdiskussion, welche die Verfasser als Basis aller Religionen darstellen, ist in Form von kurzen Zitaten (auch ins Englische übersetzt) einigen Aufnahmen gegenübergestellt. Allerdings geht von der verspielten äußerlichen Darstellungsweise dieser Textfragmente eine solche Leichtigkeit aus, daß die Ernsthaftigkeit des Inhalts wieder in Frage gestellt wird.

Aber schaut aus dieser Art der Darstellung nicht wieder die kölsche Mentalität heraus? Wirklich, nur Kölner können es wagen, dem Leser solch ein Buch vorzulegen und dabei fest darauf zu vertrauen, doch noch in den Himmel zu kommen.