Bereits 1934 mußte der Dichter und Schriftsteller Edgar Kupfer, der den Künstlernamen Kupfer-Koberwitz angenommen hatte, vor der Gestapo nach Paris flüchten. Nachdem er sich im Exil drei Jahre mehr schlecht als recht durchgeschlagen hatte, beauftragte ihn ein deutsches Reiseunternehmen, die Insel Ischia für den Tourismus zu erschließen. Das deutsch-italienische Auslieferungsabkommen sollte Kupfer im November 1940 von seiner Trauminsel über das Gestapo-Gefängnis Innsbruck direkt ins Lager Dachau bringen.

Wahrscheinlich war er von einem der wenigen Deutschen auf Ischia denunziert worden, weil er sich "abfällig über das hiesige und über das deutsche Regime geäußert" habe. Den genauen Grund für seine Auslieferung erfuhr Kupfer nie, und so glaubte er wie viele andere an einen Irrtum, der rasch aufgeklärt werden könnte.

Bis zur Befreiung des Lagers, also viereinhalb Jahre, war Kupfer in Dachau interniert. Die angemessene Anerkennung für seine heimlichen Aufzeichnungen, die er sofort nach seiner Ankunft begonnen hatte, erlebte Kupfer nicht mehr.

1991 starb er in einem Pflegeheim, nach gescheiterten Versuchen, in Italien und den USA Fuß zu fassen.

Um die Publizierung des Tagebuchs hatte er sich sein Leben lang bemüht, und das nicht nur, weil es unter äußersten Schwierigkeiten geschrieben wurde und eine Entdeckung den sicheren Tod bedeutet hätte.

Dachau war ein "Musterlager" der Nazis, in dem peinlich auf Ordnung und Sauberkeit geachtet wurde. Was sich hinter der Fassade abspielte - Elend, Tod und tausendfache Demütigung -, das wußten nur die Gefangenen und ihre Peiniger. Und genau dieses Verborgene wollte Kupfer dokumentieren. Nachdem er seinen Leidensweg auf über tausend Seiten festgehalten hatte, begann er im November 1942 ein Tagebuch über den Alltag in Dachau zu führen, in einer Zeit also, als sich die Situation für die meisten Häftlinge zu verbessern begann, aber die Transporte nach Auschwitz und in die anderen Konzentrationslager nicht aufhörten.

Schon die Geschichte seines Tagebuches ist abenteuerlich. Edgar Kupfer schrieb heimlich in einer Schraubenfabrik außerhalb des Lagers, und andere KZ-Insassen versteckten seine Aufzeichnungen, indem sie ein Loch in den Boden kratzten, das sie anschließend wieder zubetonierten. Weil Kupfer im Büro der Schraubenfabrik arbeitete, konnte er seine Notizen unter Stapeln von Papier verschwinden lassen, wenn er einmal überrascht wurde. Nur wenige Lagerinsassen waren eingeweiht, weil man im Lager vor Denunziation nicht sicher war und die Wachmannschaften die Folter anwendeten, um Informationen zu erpressen. Allerdings gaben sie sich angesichts des Kriegsverlaufes ab 1943 wesentlich zurückhaltender als zuvor.