DENVER. - Präsident Clintons Selbstlob auf dem G-7-Gipfel von Denver hallt noch nach: "Amerikas Wirtschaft ist die gesündeste in einer Generation und die stärkste in der Welt." Nun ja, laßt ihn ruhig ein bißchen angeben.

Tatsache ist, daß er Anerkennung für ein Fünfjahresprogramm der Defizitreduzierung und Handelsausweitung verdient, das die Inflation und die Zinsen verringert hat, und zwar ohne eine Rezession. So wurde die Wirtschaft unter genug Dampf gesetzt, um Amerikas Wandel in einen effizienteren globalen Wettbewerber zu finanzieren.

Amerikas Wirtschaft ist heute tatsächlich stark. Die Vereinigten Staaten zeichnen sich inzwischen in der Produktion von allem aus, was leicht ist. Das ist entscheidend, denn je mehr Wissen und Informationstechnologie in einem Produkt stekken, um so weniger wiegt es und um so teurer kann es verkauft werden.

Nicht ohne Grund stellte der Vorsitzende der Federal Reserve Bank, Alan Greenspan, neulich fest, daß in jedem Dollar des amerikanischen Bruttosozialprodukts heute weniger Gewicht liegt als je zuvor: Elektrodenröhren werden ersetzt durch winzige Transistoren, schwere Stoffe durch federleichte. Und ob es sich nun um Software-Entwicklungen, um Vermarktungen im Internet, um Bankgeschäfte, Versicherungen, Consulting, Schnellimbisse, höheres Bildungswesen, Paketzustellungen, Unterhaltung, Medien, Computerchips oder Kartoffelchips handelt, die Vereinigten Staaten sind heute bei allem gut, was leicht ist.

Die schlechte Nachricht ist, daß wir Amerikaner in einem solchen Moment nie erlebten Wohlstandes uns den wirklichen Problemen zuwenden sollten, die unsere Wirtschaft immer noch hemmen - und genau das tun wir nicht.

Zum Beispiel wäre ich zufriedener mit Amerikas Wirtschaft, wenn ich wüßte, daß wir als eine Nation gediehen und nicht als zwei. Das aber wird erst sein, wenn meine elfjährige Tochter, die auf eine öffentliche Schule in Maryland geht, nicht mehr traurig nach Hause kommt, weil schon wieder einer ihrer Freunde die öffentliche Schule verlassen hat, um auf eine private Schule zu gehen.

Wenn ich etwas bei meinen Reisen um die Welt gelernt habe, dann ist es dies: Niemals einem Land zu trauen, in dem die Reichen hinter hohen Mauern und verdunkelten Fenstern leben. Das ist ein Ort, der nicht als ein Land gedeiht, wo die Reichen nicht nur sagen: "Ich möchte nicht, daß ihr seht, wie wir leben", sondern: "Ich möchte nicht sehen, wie ihr lebt."