Da steht in der Berliner Friedrichstraße ein genialer Museumsbau, der seiner Vollendung entgegensieht, aber um ihn ist ein Streit ausgebrochen, der das Verhältnis zwischen Berliner Senat und Jüdischer Gemeinde empfindlich stört. Anlaß, aber nicht Ursache ist die Entlassung Amnon Barzels, des Direktors des Jüdischen Museums, das in den kühnen Zackenbau einziehen soll, den Daniel Libeskind entworfen hat. Barzel ist 1994 von einer Jury einstimmig berufen und mit viel Vorschußlorbeeren bedacht worden. Es hat die Idee des Jüdischen Museums schwer beschädigt, daß es dem Senat nicht gelungen ist, die Konflikte, die dann trotzdem um Barzels Person und um seine Konzepte ausgebrochen sind, behutsamer zu lösen.

Zu besichtigen ist also ein exemplarisches Stück Berliner Kulturpolitik, das nicht zum ersten Mal berechtigte Zweifel an der Weisheit von Auswahlgremien weckt. "Barzel war brillant, er schien der richtige Mann zu sein", sagt Libeskind, der Architekt heute hält er ihn für einen Ignoranten. Der damalige Kultursenator Ulrich Roloff-Momin bezeichnet Barzels Berufung als "den größten Fehler meiner Amtszeit".

Doch Roloff ist zuvor gewarnt worden: Barzel sei ein begnadeter Ausstellungsmacher, aber ein Chaot, für diese komplexe Aufgabe ungeeignet. So war die Krise programmiert, und sie wurde nicht bewältigt, sondern verschleppt, bis sie zum Politikum geriet und international Schlagzeilen machte, die dem Ansehen Berlins nicht guttun.

Das Trauerspiel um das Museum zeigt aber auch, wie mit der Einsparung verhältnismäßig kleiner Summen viel Kompetenz wegrationalisiert werden kann. Nach den Wahlen im Oktober 1995 glaubten die Koalitionspartner CDU und SPD, die beiden reformbedürftigen Bereiche Wissenschaft und Kunst zusammenlegen und mit nur einem Senator und einem Staatssekretär ordentlich verwalten zu können. Der Supersenator Peter Radunski war offensichtlich überlastet, und einen Kulturstaatssekretär verweigerte ihm die Finanzsenatorin. Erst Anfang Juni wurde jetzt Lutz von Pufendorf, einer von mehr als zwei Dutzend Staatssekretären im einstweiligen Ruhestand, die sich die verarmte Stadt leistet, reaktiviert so wird wenigstens ein Ruhegehalt eingespart.

"Mich auf diese kopf- und konzeptionslose Kulturpolitik einzulassen wäre rufschädigend", hatte Pufendorf noch wenige Tage vor seiner Berufung erklärt. Aber dann machte er es doch und wirkte mit an der Entscheidung, den unbequemen Museumsdirektor Barzel zu entlassen.

Die Entscheidung fiel am Mittwoch vergangener Woche, am gleichen Tag, an dem die Jüdische Gemeinde ihren neuen Vorsitzenden wählte.

Dieser, Andreas Nachama, mußte das als Affront empfinden. Er habe, sagt Nachama, mit dem Generaldirektor der Stadtmuseen, Reiner Güntzer, ein Moratorium bis Ende August ausgemacht, da hätte man vieles leise regeln können, "und dann knallt er mir das an meinem ersten Diensttag hin, da faßt man sich an den Kopf".