Laufen? Arne Nylander kann nicht mehr laufen. Die Beine hängen taub am Rumpf, die schwachen Arme kann er kaum bewegen. Nur mühsam kommt der 53jährige Schwede in seinem Rollstuhl vorwärts. Wenn er Hunger verspürt, dann müssen andere ihm das Essen in mundgerechte Bissen schneiden.

Lange vor dem Unfall, als Abiturient in Stockholm, träumte Nylander davon, Arzt zu werden - ebenso wie sein Klassenkamerad Lars Olson. Die Freunde erhielten Anfang der sechziger Jahre die ersehnten Studienplätze, der eine in Uppsala, der andere in Stockholm. Im Sommer 1965 bestand Nylander die schwere Prüfung in Anatomie, fuhr daraufhin mit Freunden zum Baden an einen See.

Ausgelassen feierte er das überstandene Examen und sprang in das flache Wasser - im Alter von 22 Jahren nahm sein Leben eine brutale Wende.

"Arne mußte natürlich das Medizinstudium aufgeben. Ich war schockiert", erzählt der heute 54jährige Lars Olson. Das grausame Schicksal des Freundes gab seinem Leben eine neue Aufgabe: die Heilung von Querschnittgelähmten.

"Ich will diese Menschen wieder laufen sehen", sagt Olson und schaut mit seinen hellen Augen ruhig durch die Hornbrille. Auf dem Boden seines Büros liegen Objektträger mit Schnitten von Nervengewebe auf Tischen und Regalen türmen sich Papierstöße, manche einen halben Meter hoch: Fachzeitschriften, Lehrbücher und Nachdrucke seiner Veröffentlichungen.

Schon seine Doktorarbeit schreibt Olson 1970 am Stockholmer Karolinska-Institut, das alljährlich den Nobelpreisträger für Medizin oder Physiologie wählt, über das "Wachstum von sympathischen adrenergen Nerven".

Wachstum - das scheint der Schlüssel für die Heilung von Querschnittgelähmten zu sein. Anders als beispielsweise Haut- oder Leberzellen wachsen Zellen des zentralen Nervensystems nicht mehr zusammen, wenn sie, wie beim Zerreißen des fingerdicken Nervenbündels im Rückenmark, getrennt werden.