Der Streit schwelt seit langem. Schon als Helmut Kohl vor einiger Zeit den Fortgang der europäischen Integration zur Frage von Krieg und Frieden erklärte, bot ihm Edmund Stoiber Paroli: Krieg zwischen den europäischen Partnern, ließ er den Kanzler wissen, sei heutzutage eine "absurde Vorstellung". Und natürlich ist die düstere Drohung überzogen. Doch zwischen den Schwesterparteien der Union, namentlich zwischen Kohl und Stoiber, wird der Konflikt um den Euro zur Dauerbelastung.

In der CDU hat das Entsetzen über den Währungsstreit die Sorgen über die schwelende Haushaltskrise überlagert. Formelkompromisse zwischen Kohl und Stoiber, Händeschütteln und ein Dreiminutengespräch, wie Anfang der Woche in München, ändern daran nichts. Dem Bayern traut man fast alles zu. Aber weil hinter Stoibers jüngsten Attacken gegen die europäische Währung keine Strategie zu erkennen ist, herrscht in den Reihen der Union eine Atmosphäre gereizter Verwirrung. Hilflos und ein wenig verzweifelt wirken die Reaktionen. Des Kanzlers periodische Aufforderung, der "Münchner Populist" solle seine Störmanöver einstellen, fruchtet nichts.

Stoiber kontert kühl, von einer Weisungsbefugnis des Kanzlers gegenüber der bayerischen Staatsregierung sei ihm nichts bekannt. Und dann wiederholt er mit unschuldigem Augenaufschlag, was Kohl auf die Palme bringt: Bei der Einführung des Euro müsse die Stabilität Vorrang vor dem Zeitplan haben. Die aber sei nur dann gewährleistet, wenn alle Teilnehmerstaaten das Defizitkriterium von drei Prozent ihres Bruttoinlandsproduktes punktgenau erfüllen. Andernfalls sei mit entschiedenem Widerstand zu rechnen.

Aber was Stoiber da so stur vorträgt, hat man es nicht schon oft gehört - von Helmut Kohl selbst, seinem Finanzminister Theo Waigel, vom Fraktionsvorsitzenden Wolfgang Schäuble und vielen anderen aus der Koalition?

Wo eigentlich der Dissens liege, fragt deshalb Edmund Stoiber. Und das klingt dann doch hinterlistig.

Denn natürlich hat der Euro-Skeptiker genau registriert, was in Bonn passiert, seit die strikte Einhaltung des Defizitkriteriums immer unwahrscheinlicher wird. Laut verkündet die FDP, die lieber Schulden als Steuern erhöht, an ein paar Dezimalstellen werde der Euro nicht scheitern.

Und auch in der CDU verschieben sich die Akzente. Da erklärt Generalsekretär Peter Hintze plötzlich die Einhaltung des Zeitplans zum eigentlichen Stabilitätskriterium. Wolfgang Schäuble warnt vor schädlichen Komma-Debatten, und Kohl macht den pünktlichen Start der gemeinsamen Währung zu seiner politischen Existenzfrage. Die Botschaft ist klar: Die Europäische Währungsunion kommt - komme, was wolle.