MOSKAU. - Nach der Vereinigung Deutschlands und dem Wandel in der Region der ehemaligen UdSSR erlangten die russisch-deutschen Beziehungen eine neue Dimension. Russen und Deutsche überprüften die Philosophie ihrer gegenseitigen Beziehungen im 20. Jahrhundert und nahmen Kurs auf eine gleichberechtigte historische Partnerschaft.

Das eindeutige Ja Moskaus zur Vereinigung der BRD und der DDR war die entscheidende Voraussetzung für eine friedliche Überwindung der Nachkriegsspaltung des deutschen Volkes. In kurzer Zeit wurden die meisten großen Probleme aus der Vergangenheit gelöst: Die russischen Truppen wurden in die Heimat zurückgeführt, die russischen Opfer der nazistischen Verfolgungen erhielten Kompensationen, der Prozeß der Rehabilitierung der Rußlanddeutschen, die den Stalinschen Repressalien ausgesetzt waren, geht voran, die sowjetischen Schulden an Deutschland wurden restrukturiert. Die Bundesrepublik unterstützte die Aufnahme Rußlands in die G-7-Gruppe sowie in andere internationale Institutionen und leistete einen gewichtigen Beitrag bei der Förderung russischer Reformen. Rußland unterstützte Deutschland in seinem Bestreben, in der Uno, der OSZE und im internationalen Krisenmanagement eine entsprechende Rolle zu spielen.

Die Intensität und Vertraulichkeit des bilateralen Dialogs, vor allem auf höchster Ebene, sind enorm gewachsen. Boris Jelzin und Helmut Kohl führten bereits an die zwanzig Begegnungen durch. Die politischen Kontakte Rußlands mit Deutschland haben sich in den vergangenen Jahren so dynamisch und fruchtbringend entwickelt wie mit keinem anderen europäischen Land.

Die Entwicklung der Zusammenarbeit ist auch in Zukunft garantiert, wenn beide Seiten die objektiven Interessen des Partners gebührend berücksichtigen und gemeinsam den Tendenzen entgegenwirken werden, die das bilaterale Verhältnis erschweren können.

In erster Linie geht es dabei um den Sicherheitsbereich. Rußland ist als ein Teil Europas daran interessiert, daß auf dem Kontinent keine alten und neuen Scheidelinien existieren. Darum stehen wir den Plänen der Osterweiterung der Nato grundsätzlich negativ gegenüber. Unter Berücksichtigung der Vergangenheit erscheint es als möglich, daß das russisch-deutsche Zusammenwirken gerade im Sicherheitsbereich den größten Risiken ausgesetzt wird.

Eine gewisse Unzufriedenheit herrscht über unsere Wirtschaftsbeziehungen.

1996 wuchs der Handel zwischen Rußland und Deutschland zwar etwas, doch er entwickelt sich längst nicht optimal: Der Anteil der Rohstoffe am russischen Export überstieg neunzig Prozent, während gleichzeitig der Anteil von Maschinen und Ausrüstungen an der russischen Ausfuhr nach Deutschland sank.