Fünfzehn null - dreißig null - vierzig null - Spiel Becker. Auch Börsianer gucken Tennis. Besonders, wenn Aktienkurse davon abhängen. So wie im Jahre 1986, als Boris an die Börse kam. Eigentlich war es ja Puma. Aber Boris war damals für Puma, was das T heute für die Telekom ist. Die Fans konnten gar nicht genug von jener Firma bekommen, die ihrem Bobl die Hosen anzog. Mit jedem As, das der Bursche über den Centercourt von Wimbledon schmetterte, stieg der Kurs. Innerhalb weniger Monate kletterte er von anfangs 310 auf märchenhafte 1480 Mark. Aber dann kam Flushing Meadow. Boris ging fürchterlich ein - und bald darauf auch die Aktie. Der Traum war aus.

Aber die Anleger waren selbst schuld. Hätten sie weniger Tennis geschaut und statt dessen das Handelsblatt gelesen, hätten sie schon lange vorher gewußt, wie schlecht es um Puma stand.

Boris hat aus Flushing Meadow gelernt. Die Anleger indes ließen sich vom Puma-Debakel nicht beirren. Sie greifen noch immer gierig zu, wenn bekannte Unternehmen neue Aktien feilbieten. Nicht nur die Stammkunden der Börse - auch biedere Sparer. ProSieben ist der jüngste Beweis. Deshalb ist jede Emission - so der Fachausdruck für die Ausgabe neuer Wertpapiere - ein Fest für die Finanzwelt. Gewöhnlich haben Banken es zwar nicht so gerne, wenn nur geringe Mengen von Aktien geordert werden - Kleinkunden sollen ihre Peanuts lieber in teure Fonds stecken. Aber bei Emissionen ist das anders. Da braucht die Börse frisches Blut. Sonst müßten Banken, Versicherungen und Investmentfonds das Geld ja selbst aufbringen. Nüchtern betrachtet, wären freilich Laien besser mit alten Aktien bedient. Die sind nicht nur berechenbarer, sondern bringen auch mehr. Mit der Großchemie zum Beispiel, mit Hoechst, Bayer oder BASF, konnte man sein Vermögen seit vergangenem Jahr verdoppeln. Trotzdem hält sich der Glaube, mit neuen Aktien könne man eine schnelle Mark machen. Dieser Irrtum rührt aus früheren Zeiten, als es tatsächlich Aktienemissionen gab, die abgezischt sind wie eine Rakete.

Porsche, Boss und Berzelius zum Beispiel. Doch inzwischen gibt es Bookbuilding. Damit können die Banken den Markt so genau ausloten, daß die Aktien schon zum bestmöglichen Kurs auf den Markt kommen.

Freilich kann man auch mit einem Neuling Glück haben. Vielleicht sogar mit ProSieben. Vielleicht siegt Boris ja auch in Wimbledon. Aber vielleicht kommt es auch zu einem neuen Flushing Meadow.